Wanderreiten mit Kind – Von Prezelle nach Ziemendorf

Leni schläft bis 9:15, während ich wieder einmal um 7 Uhr von Gina geweckt werde. Sie hat es irgendwie drauf, mich auch ohne zu Winseln oder Fiepen zu wecken. Einfach anfangen irgendwas abzuschlecken – zum Beispiel die Bettdecke oder auch ihre Pfote, und zack bin ich wach. Also lasse ich sie hinaus und füttere die Pferde, die beide tiefenentspannt in ihrer jeweiligen Box stehen und herausgucken. Über Nacht haben wir Rocco und Hördur getrennt, da Hördur wie wir vorher schon auf dem Stück Weide beobachtet haben dazu neigt, Rocco aus Langeweile zu vertreiben und im Kreis zu jagen. Jeder hat nun eine Box und ein Stück gepflasterten Paddock davor. Nachdem ich jedem einen halben Ballen absolut staubarmes Heu gegeben habe, gehe mit Gina noch ein bisschen auf dem Hof herum und setze mich dann in die Sonne vor die Wohnungstür und schreibe meinen Bericht.
Da es frisch wird und die Sonne hinter einer Wolkendecke verschwindet, mache ich mir in der Wohnung einen Kaffee. Leni steht auf und wir Frühstücken gemeinsam eine riesige Menge Toast. Währenddessen kommt Christiane vorbei und bringt die versprochene und heiß ersehnte Nutella.
Nach dem Frühstück packen wir wieder unsere Sachen, fegen die Wohnung und Leni gibt den Pferden Pfefferminztee für die staubigen Lungen. Dann wird ausgemistet, Was zum größten Teil wieder Leni übernimmt. Um Punkt 12 Uhr sind wir fertig und Christiane kommt wie verabredet noch einmal vorbei, um die jüngste Wanderreiterin und jüngste Reiterin überhaupt auf ihrem Hof zu fotografieren. Sie hat in der Ferienwohnung eine Bilderkollage und würde Leni gern dort hinzufügen. Leni gibt ihr dazu die Erlaubnis und so lassen wir uns natürlich auch endlich einmal zusammen fotografieren für die eigenen Fotoalben 😊
Da wir für die Fotos schon auf den Pferden sitzen, verabschieden wir uns von Christine und kommen gern einmal wieder hierher. Die Wanderreitstation in Prezelle liegt sehr ruhig, unsere Pferde und wir hatten alles, was wir brauchten. Außerdem liegt Prezelle sehr praktisch: der Gatower Forst ist gut zu erreichen, genauso wie die Nemitzer Heide, die Wirler Spitze und auch der Ahrendsee. All dies sind wunderschöne Ziele, die man innerhalb von ca. 10 km erreichen kann.
Wir reiten also los und nehmen statt des geplanten Weges einen früheren Abzweig. Dieser endet zwar an einem Feld, aber da dieses bereits gemäht ist, reiten wir darauf die restlichen 100m weiter bis zum nächsten Weg. Wir reiten nun auf einem Plattenweg, der in eine asphaltierte landwirtschaftliche Straße übergeht. Auf Asphalt haben wir keine Lust, also nehmen wir wieder einen früheren Abzweig nach links, der wieder einmal nicht in meiner App eingetragen ist. Normalerweise sind in der App Maps3D, welche die OpenStreetmaps Karten benutzt, die kleinsten Wege und sogar Reitwege eingezeichnet. Aber hier im Wendland scheint es viel zu viele Forstwirtschaftswege zu geben.
Wir traben einen schönen, grasbewachsenen Weg entlang und folgen ihm in südöstlicher Richtung. Der Weg ist von allen Seiten mit Brombeeren zugewachsen und die Sonne kommt heraus und lässt alles in sattem Grün erstrahlen.
Nach einem langen Trab tauchen wir wieder in den Wald ein. Auf meiner App sehe ich, wie wir schön quer zum geplanten Weg reiten und sogar ein wenig abkürzen. Und das auch noch auf so herrlichen Wegen!
Wir traben immer mal wieder auf den jetzt wieder sandigen Wegen, dann muss ich absitzen, um Gina Wasser zu geben. Heute Nacht hat es zwar tatsächlich mal geregnet – laut Christiane das erste Mal seit Monaten in diesem Jahr – aber für Pfützen hat es leider nicht gereicht.
Der Weg biegt nun wieder nach Süd-Osten ab, aber Hördur meint mal wieder, es besser zu wissen und marschiert stur weiter nach Osten. Also trabe ich – inzwischen wieder auf Rocco sitzend – an und sammle ihn ein, degradiere ihn erneut für die nächsten paar Minuten zum Handpferd. Dann kommt er wieder auf Bewährung frei, bis das gleiche beim nächsten Abbieger erneut genauso abläuft. Wieder wird er degradiert, diesmal für längere Zeit. Wer nicht hören will…
Wir reiten nun auf einem Sandweg und finden bald eine nette Stelle mit viel saftigem Gras, wo wir unsere Pause einlegen. Ich lasse wieder beide Pferde grasen, während Leni die Vorräte auspackt und es sich schonmal auf dem Waldboden gemütlich macht. Ich muss Rocco kurz den Strick über den Sattel werfen, um etwas zu trinken, da marschiert der Blödmann einfach los. Er geht einfach entlang der Route weiter und ich steh da mit Hördur in der Hand, den ich besser nicht einfach stehen lasse.
Also gehen Hördur und ich flotten Schrittes – aber bloß nicht laufen! – hinter Rocco her. Würde ich nun laufen, würde auch Rocco antraben und dann könnte es schwierig werden, ihn wiederzubekommen. Die Situation hatten wir schon einmal. Er ist eben ein Fluchttier und rennt, wenn die anderen auch rennen.
Ich rufe ihn und locke ihn immer wieder. Er dreht den Kopf zu mir, geht aber weiter. Nach vielleicht 30 Metern erreiche ich ihn, greife mir seinen Strick und ziehe ihn zurück zu unserem Rastplatz. Wenn er so wenig Hunger hat, um solchen Quatsch zu machen, kann er ja auch schlafen gehen. Also binde ich wieder beide Pferde an unterschiedliche Bäume und sofort fängt Rocco an zu dösen. Hördur scheuert sich erst noch ausgiebig an der rauhen Baumrinde der Kiefer, dann döst auch er viel schneller als sonst. Zum Glück haben ja beide Pferde ihre Ganzkörper-Zebradecken an, so dass Hördur beim Scheuern die Decke zwar aufrauht, aber zumindest seine schöne Mähne nicht ausreißt. Wenn wir nachher zurück in Ziemendorf sind, werden beide Pferde wieder mit Wiemerskamper Pflege-Öl eingeschmiert.
Nach einer knappen Stunde Pause und viel Quatsch von Lenis Seite („Ich weiß auch nicht warum, aber ich rede ja wenn wir reiten kaum und jetzt in der Pause muss mein Mund sich einfach bewegen“ 🙈😂) laufen wir erst einmal zu Fuß weiter. Dann nutzen wir den nächsten herumliegenden Baumstamm und sitzen auf. Auch Leni versucht es heute mal allein mit Hördur und schafft es auch!
Kurze Zeit später erreichen wir einen der tiefen Sandwege und lassen die Pferde am Rand im verbrannten Gras Schritt gehen. Hördur ist vorerst auf Bewährung frei. Nach einer längeren Schrittphase erreichen wir wieder das Grüne Band und überqueren es heute nur. Zur wunderschönen Wirler Spitze sind es zwar nur 2,5km, aber da waren wir am Sonntag bereits und ich merke den Pferden an, dass sie langsam nach Hause müssen. Die Energie geht trotz unserer Pause zur Neige.
Wir traben noch einmal ein Stück auf einem schön festen Waldboden, dann verlassen wir den Wald und reiten entlang eines Weizenfeldes weiter gen Süden. Auch einen von Eichen gesäumten Sandweg, deren Eichen fast alle von Eichenprozessionsspinnern befallen sind, traben wir besser vollständig durch. Diese Nester sind uns logischerweise nicht geheuer. Nun biegen wir ab auf einen Feldweg, der entlang des Maisfeldes verläuft, an dem Rocco so gerne nascht.
Hördurs Sattel rutscht nun irgendwie immer mehr zur rechten Seite und so setze ich Leni für die letzten 2 Kilometer auf Rocco und führe Hördur den restlichen Weg.
Nach knapp 3,5 Stunden inklusive unserer Pause erreichen wir wieder Ziemendorf. Wir binden die Pferde am Hänger an, entpacken sie, tränken, inhalieren, füttern, Leni pflegt die Hufe mit Öl und dann, nach einer Stunde Tüdelei, können die Pferde endlich wieder auf ihr Paddock.
Natürlich wird sich erst einmal ausgiebig gewälzt und dann das restliche Heu aus dem Heunetz gefressen.
Wir gehen müde auf unser Zimmer, wo Gina sich nach dem Füttern sofort unter dem Bett in ihrer Höhle zum Schlafen verkriecht und Leni es sich im Bett mit einer Folge „Drei Fragezeichen Kids“ gemütlich macht.
Ich dusche mir den Staub und Schweiß ausgiebig ab und lege mich dann ebenfalls ins Bett.
Zwei Stunden später versorgen wir die Pferde mit Heu für die Nacht und fahren dann nach Zießau zum Abendessen.
Für Leni hatte ich vor unserem Urlaub eine goldene Schleife bedrucken lassen, die sie für ihren ersten Wanderritt bekommen soll. Diese übergebe ich ihr und sage ihr, wie stolz ich bin, dass sie das alles so toll mitgemacht und geschafft hat. Leni hat sich nicht ein einiges Mal beklagt. Weder über Müdigkeit, noch die Bremsen, die uns im Wald teilweise ziemlich umschwirrt haben, noch über Hitze oder Kälte oder Hördurs Dickkopf. Egal welche Aufgabe man ihr im Zusammenhang mit den Pferden gibt, sie liebt sie alle und führt sie total gerne aus. Vor allem das abäppeln, warum auch immer 😂
Ich bin Tini, der Besitzerin von Hördur, unheimlich dankbar, dass wir ihr Pony mitnehmen durften. Nur so war es möglich, Leni den lang ersehnten Wanderritt zu ermöglichen.
Ich habe bereits bei Facebook einen Kommentar gesehen, dass Leni und mir Respekt dafür gezollt wurde, einen Wanderritt mit bzw. als Kind anzugehen. Ich denke es hängt einfach stark davon ab, wie sehr sich das Kind dies wünscht. Leni hat mich schon mit fünf Jahren, also vor vier Jahren, gefragt, ob und wann wir mal einen Wanderritt machen können. Die Frage kam fast jedes Mal wieder auf, wenn das Thema Wanderreiten im Raum stand. Meine Antwort war immer die gleiche: Wenn du sattelfester bist und ein Pferd selbstständig putzen, selbst lenken und durchparieren kannst. Sprich: wenn ich nicht alles alleine machen muss und sie nicht dauerhaft als Handpferd
nehmen muss. Und dann war da natürlich auch immer die Frage, wer einem sein Pferd, das kinderkompatibel ist, zur Verfügung stellen würde für einen solchen Urlaub.
Für zwei Pferde reichen momentan die Finanzen und auch die Zeit einfach nicht, und solange Leni Rocco noch nicht richtig selbstständig reiten kann, macht es auch keinen Sinn. Denn wenn ein 2. Pferd, dann würde ich ein „neues“ Wanderreitpferd für mich kaufen wollen und Rocco gesundheitsbedingt für die leichtere und gemütlichere Arbeit sowie eben auch als Lenis Reitpferd einsetzen wollen.
Der Urlaub mit Leni im Wendland war sehr schön, natürlich durch das Reiten und die viele Arbeit mit Packen und entpacken und organisieren nicht körperlich, aber zumindest geistig entspannend.
Und ich denke, ich werde über unser Abendteuer im Ganzen – denn wir sind ja neben dem Wanderritt noch mehrere Tage in Ziemendorf gewesen – mal wieder versuchen ein Buch zu schreiben. Vielleicht diesmal ein kleineres als bisher. Ich halte euch natürlich auf dem Laufenden!

 

GPS Route für Nachreiter:

Wanderreiten mit Kind Prezelle-Ziemendorf GPS