Von 2 auf 0 Pferden in wenigen Wochen

Auch wenn es nun schon wieder einige Wochen her ist, wollte ich diesem Blog noch einen kurzen – zumindest vorläufigen – Abschluss verleihen.
Denn leider musste ich mich im Sommer 2021 von Sly wieder trennen – nachdem wir herausfanden, dass er durch seine Westernausbildung vor meiner Zeit stark traumatisiert war. Ein sehr sehr langer und holpriger Weg lag vor uns, dem ich mich in meiner aktuellen Lebenslage nicht gewachsen sah. Ich hatte nichts unversucht gelassen, doch irgendwann muss man sich eben eingestehen, wenn es keinem mehr hilft. Auch dies gehört dazu, pro Pferd zu handeln und auf sich selbst zu achten.

Nur wenige Wochen später musste ich Rocco erlösen lassen. Er hatte bereits im letzten Winter Probleme mit einem Hinterbein, hier wurde damals eine Entzündung im Fesselgelenk diagnostiziert und behandelt. Doch hatte er im Frühjahr weiterhin Probleme, er lief im Trab und Galopp nicht gerne und nicht gut und so wurde er vollends zum Rentner und wir unternahmen nur noch Spaziergänge und natürlich nur dann, wenn er Lust dazu hatte. Außerdem hatte er Schmerzen, wenn er aus dem Liegen aufstand. Eine weitere Untersuchung ergab, dass die Röntgenbilder super aussahen, doch auf dem Ultraschall die Fesselgelenke voll waren mit Gewebe, was eigentlich nicht dorthin gehörte. Genauer konnte die damalige Tierärztin mir das allerdings auch nicht beschreiben. Es wäre aber nichts, was man bei einem eh schon so vorbelasteten Pferd sinnvoll operieren könne, selbst bei gesunden Pferden mache dies wenig Sinn. Man musste also schauen, wie lange er noch im Schritt und normalen Rentner-Leben Schmerzfrei bleiben konnte.

Im September 2021 wurde es dann plötzlich wieder akut und er stand eines Tages plötzlich auf drei Beinen vor mir. Er hatte wirklich Schmerzen. Die Tierärztin hörte sich die bisherigen Untersuchungsergebnisse und Diagnosen an und erklärte mir, dass dies “Gewebe” eine chronische Sehnenscheidenentzündung wäre. Die Sehnenscheide war es auch nun wieder, die ihm sehr weh tat. Man könne nicht viel machen, wie ich schon wusste. Eine OP machte keinen Sinn und ich wollte auch den eh schon so stark angeschlagenen Rocco keiner OP mehr unterziehen. Das hatte ich mir schon vor langer Zeit genau überlegt.

Er bekam für eine Woche Schmerzmittel, einen Verband und wir schauten, ob es wieder besser würde.

Doch leider stand er nach einer Woche und dem Absetzen der Schmerzmittel wieder auf drei Beinen da… und so taten wir das Einzige, was man bei einem jahrenlangen, stark kranken Pferd machen konnte, wenn man den menschlichen Egoismus und die Trauer zurücksteckte: wir erlösten ihn sofort.

Nun ist Rocco im Pferdehimmel, erlöst von der schweren Atmung, dem prallen Lungenbauch, den schmerzenden Hinterbeinen. Er hatte nicht das längste Pferdeleben, aber ein tolles, abwechslungsreiches Leben. Und er war wirklich ein sehr besonderes Pferd.

Ich bin tatsächlich auf der Suche nach einem Nachfolger, doch merke ich, dass es mir sehr schwer fällt. Ich weiß noch nicht, wo die Reise für mich hingeht. Vielleicht tut eine Pferdepause nach diesen ganzen Dramen auch sehr gut. Obwohl ich es seit Jahren vermisse, entspannt durch die Wälder reiten zu können und – mit dem passenden Reitpartner – auf Wanderritte zu gehen.

Vielleicht wird mich ja ein neuer treuer Begleiter/Begleiterin finden. Doch muss ich zugeben, dass es auch mal ganz nett zwischendurch ist, ein Leben wie die “normalen” Menschen zu führen 😉