Auftakt und Jahresabschluss – Lutzhorn

Liebe Wanderreiterfreunde,

das Wetter ist hoffentlich gnädig und so können Daniela und ich unsere schon länger geplante erste kurze Tagestour realisieren. Morgen wird Sly verladen, Gina ins Auto gepackt, Sam mit Daniela und Hund Hockey in Tangstedt abgeholt und dann fahren wir nach … Lutzhorn!

Dieses wahnsinnig vielversprechende und große Ausreitgelände wollen wir mal ein bisschen näher kennenlernen. Auf den Reitwegekarten bei GPSies sieht man schon, dass man da locker 250km abreißen kann. Wir fangen mal klein an und nehmen uns einen Abschnitt von ungefähr 15km vor.

Wir sind voller Vorfreude und Spannung und ich hoffe, dass Sly und Sam – die beiden Jungspunde sind noch ziemlich unerfahren mit fremdem Gelände –   sich ein wenig zusammenreißen können. Auf einem hochexplosiven Pferd zu sitzen stelle ich mir nicht gerade als entspanntes Ausreiten vor 😀
Sly neigt leider noch dazu, gerade wenn das andere Pferd vor ihm läuft und auch nur minimal den Abstand vergrößert.
Wir machen aber natürlich vorsichtig und schauen einfach, was und wieviel geht.
Auf einen trockenen und windstillen Tag!

Wanderreiten mit Kind – Von Prezelle nach Ziemendorf

Leni schläft bis 9:15, während ich wieder einmal um 7 Uhr von Gina geweckt werde. Sie hat es irgendwie drauf, mich auch ohne zu Winseln oder Fiepen zu wecken. Einfach anfangen irgendwas abzuschlecken – zum Beispiel die Bettdecke oder auch ihre Pfote, und zack bin ich wach. Also lasse ich sie hinaus und füttere die Pferde, die beide tiefenentspannt in ihrer jeweiligen Box stehen und herausgucken. Über Nacht haben wir Rocco und Hördur getrennt, da Hördur wie wir vorher schon auf dem Stück Weide beobachtet haben dazu neigt, Rocco aus Langeweile zu vertreiben und im Kreis zu jagen. Jeder hat nun eine Box und ein Stück gepflasterten Paddock davor. Nachdem ich jedem einen halben Ballen absolut staubarmes Heu gegeben habe, gehe mit Gina noch ein bisschen auf dem Hof herum und setze mich dann in die Sonne vor die Wohnungstür und schreibe meinen Bericht.
Da es frisch wird und die Sonne hinter einer Wolkendecke verschwindet, mache ich mir in der Wohnung einen Kaffee. Leni steht auf und wir Frühstücken gemeinsam eine riesige Menge Toast. Währenddessen kommt Christiane vorbei und bringt die versprochene und heiß ersehnte Nutella.
Nach dem Frühstück packen wir wieder unsere Sachen, fegen die Wohnung und Leni gibt den Pferden Pfefferminztee für die staubigen Lungen. Dann wird ausgemistet, Was zum größten Teil wieder Leni übernimmt. Um Punkt 12 Uhr sind wir fertig und Christiane kommt wie verabredet noch einmal vorbei, um die jüngste Wanderreiterin und jüngste Reiterin überhaupt auf ihrem Hof zu fotografieren. Sie hat in der Ferienwohnung eine Bilderkollage und würde Leni gern dort hinzufügen. Leni gibt ihr dazu die Erlaubnis und so lassen wir uns natürlich auch endlich einmal zusammen fotografieren für die eigenen Fotoalben 😊
Da wir für die Fotos schon auf den Pferden sitzen, verabschieden wir uns von Christine und kommen gern einmal wieder hierher. Die Wanderreitstation in Prezelle liegt sehr ruhig, unsere Pferde und wir hatten alles, was wir brauchten. Außerdem liegt Prezelle sehr praktisch: der Gatower Forst ist gut zu erreichen, genauso wie die Nemitzer Heide, die Wirler Spitze und auch der Ahrendsee. All dies sind wunderschöne Ziele, die man innerhalb von ca. 10 km erreichen kann.
Wir reiten also los und nehmen statt des geplanten Weges einen früheren Abzweig. Dieser endet zwar an einem Feld, aber da dieses bereits gemäht ist, reiten wir darauf die restlichen 100m weiter bis zum nächsten Weg. Wir reiten nun auf einem Plattenweg, der in eine asphaltierte landwirtschaftliche Straße übergeht. Auf Asphalt haben wir keine Lust, also nehmen wir wieder einen früheren Abzweig nach links, der wieder einmal nicht in meiner App eingetragen ist. Normalerweise sind in der App Maps3D, welche die OpenStreetmaps Karten benutzt, die kleinsten Wege und sogar Reitwege eingezeichnet. Aber hier im Wendland scheint es viel zu viele Forstwirtschaftswege zu geben.
Wir traben einen schönen, grasbewachsenen Weg entlang und folgen ihm in südöstlicher Richtung. Der Weg ist von allen Seiten mit Brombeeren zugewachsen und die Sonne kommt heraus und lässt alles in sattem Grün erstrahlen.
Nach einem langen Trab tauchen wir wieder in den Wald ein. Auf meiner App sehe ich, wie wir schön quer zum geplanten Weg reiten und sogar ein wenig abkürzen. Und das auch noch auf so herrlichen Wegen!
Wir traben immer mal wieder auf den jetzt wieder sandigen Wegen, dann muss ich absitzen, um Gina Wasser zu geben. Heute Nacht hat es zwar tatsächlich mal geregnet – laut Christiane das erste Mal seit Monaten in diesem Jahr – aber für Pfützen hat es leider nicht gereicht.
Der Weg biegt nun wieder nach Süd-Osten ab, aber Hördur meint mal wieder, es besser zu wissen und marschiert stur weiter nach Osten. Also trabe ich – inzwischen wieder auf Rocco sitzend – an und sammle ihn ein, degradiere ihn erneut für die nächsten paar Minuten zum Handpferd. Dann kommt er wieder auf Bewährung frei, bis das gleiche beim nächsten Abbieger erneut genauso abläuft. Wieder wird er degradiert, diesmal für längere Zeit. Wer nicht hören will…
Wir reiten nun auf einem Sandweg und finden bald eine nette Stelle mit viel saftigem Gras, wo wir unsere Pause einlegen. Ich lasse wieder beide Pferde grasen, während Leni die Vorräte auspackt und es sich schonmal auf dem Waldboden gemütlich macht. Ich muss Rocco kurz den Strick über den Sattel werfen, um etwas zu trinken, da marschiert der Blödmann einfach los. Er geht einfach entlang der Route weiter und ich steh da mit Hördur in der Hand, den ich besser nicht einfach stehen lasse.
Also gehen Hördur und ich flotten Schrittes – aber bloß nicht laufen! – hinter Rocco her. Würde ich nun laufen, würde auch Rocco antraben und dann könnte es schwierig werden, ihn wiederzubekommen. Die Situation hatten wir schon einmal. Er ist eben ein Fluchttier und rennt, wenn die anderen auch rennen.
Ich rufe ihn und locke ihn immer wieder. Er dreht den Kopf zu mir, geht aber weiter. Nach vielleicht 30 Metern erreiche ich ihn, greife mir seinen Strick und ziehe ihn zurück zu unserem Rastplatz. Wenn er so wenig Hunger hat, um solchen Quatsch zu machen, kann er ja auch schlafen gehen. Also binde ich wieder beide Pferde an unterschiedliche Bäume und sofort fängt Rocco an zu dösen. Hördur scheuert sich erst noch ausgiebig an der rauhen Baumrinde der Kiefer, dann döst auch er viel schneller als sonst. Zum Glück haben ja beide Pferde ihre Ganzkörper-Zebradecken an, so dass Hördur beim Scheuern die Decke zwar aufrauht, aber zumindest seine schöne Mähne nicht ausreißt. Wenn wir nachher zurück in Ziemendorf sind, werden beide Pferde wieder mit Wiemerskamper Pflege-Öl eingeschmiert.
Nach einer knappen Stunde Pause und viel Quatsch von Lenis Seite („Ich weiß auch nicht warum, aber ich rede ja wenn wir reiten kaum und jetzt in der Pause muss mein Mund sich einfach bewegen“ 🙈😂) laufen wir erst einmal zu Fuß weiter. Dann nutzen wir den nächsten herumliegenden Baumstamm und sitzen auf. Auch Leni versucht es heute mal allein mit Hördur und schafft es auch!
Kurze Zeit später erreichen wir einen der tiefen Sandwege und lassen die Pferde am Rand im verbrannten Gras Schritt gehen. Hördur ist vorerst auf Bewährung frei. Nach einer längeren Schrittphase erreichen wir wieder das Grüne Band und überqueren es heute nur. Zur wunderschönen Wirler Spitze sind es zwar nur 2,5km, aber da waren wir am Sonntag bereits und ich merke den Pferden an, dass sie langsam nach Hause müssen. Die Energie geht trotz unserer Pause zur Neige.
Wir traben noch einmal ein Stück auf einem schön festen Waldboden, dann verlassen wir den Wald und reiten entlang eines Weizenfeldes weiter gen Süden. Auch einen von Eichen gesäumten Sandweg, deren Eichen fast alle von Eichenprozessionsspinnern befallen sind, traben wir besser vollständig durch. Diese Nester sind uns logischerweise nicht geheuer. Nun biegen wir ab auf einen Feldweg, der entlang des Maisfeldes verläuft, an dem Rocco so gerne nascht.
Hördurs Sattel rutscht nun irgendwie immer mehr zur rechten Seite und so setze ich Leni für die letzten 2 Kilometer auf Rocco und führe Hördur den restlichen Weg.
Nach knapp 3,5 Stunden inklusive unserer Pause erreichen wir wieder Ziemendorf. Wir binden die Pferde am Hänger an, entpacken sie, tränken, inhalieren, füttern, Leni pflegt die Hufe mit Öl und dann, nach einer Stunde Tüdelei, können die Pferde endlich wieder auf ihr Paddock.
Natürlich wird sich erst einmal ausgiebig gewälzt und dann das restliche Heu aus dem Heunetz gefressen.
Wir gehen müde auf unser Zimmer, wo Gina sich nach dem Füttern sofort unter dem Bett in ihrer Höhle zum Schlafen verkriecht und Leni es sich im Bett mit einer Folge „Drei Fragezeichen Kids“ gemütlich macht.
Ich dusche mir den Staub und Schweiß ausgiebig ab und lege mich dann ebenfalls ins Bett.
Zwei Stunden später versorgen wir die Pferde mit Heu für die Nacht und fahren dann nach Zießau zum Abendessen.
Für Leni hatte ich vor unserem Urlaub eine goldene Schleife bedrucken lassen, die sie für ihren ersten Wanderritt bekommen soll. Diese übergebe ich ihr und sage ihr, wie stolz ich bin, dass sie das alles so toll mitgemacht und geschafft hat. Leni hat sich nicht ein einiges Mal beklagt. Weder über Müdigkeit, noch die Bremsen, die uns im Wald teilweise ziemlich umschwirrt haben, noch über Hitze oder Kälte oder Hördurs Dickkopf. Egal welche Aufgabe man ihr im Zusammenhang mit den Pferden gibt, sie liebt sie alle und führt sie total gerne aus. Vor allem das abäppeln, warum auch immer 😂
Ich bin Tini, der Besitzerin von Hördur, unheimlich dankbar, dass wir ihr Pony mitnehmen durften. Nur so war es möglich, Leni den lang ersehnten Wanderritt zu ermöglichen.
Ich habe bereits bei Facebook einen Kommentar gesehen, dass Leni und mir Respekt dafür gezollt wurde, einen Wanderritt mit bzw. als Kind anzugehen. Ich denke es hängt einfach stark davon ab, wie sehr sich das Kind dies wünscht. Leni hat mich schon mit fünf Jahren, also vor vier Jahren, gefragt, ob und wann wir mal einen Wanderritt machen können. Die Frage kam fast jedes Mal wieder auf, wenn das Thema Wanderreiten im Raum stand. Meine Antwort war immer die gleiche: Wenn du sattelfester bist und ein Pferd selbstständig putzen, selbst lenken und durchparieren kannst. Sprich: wenn ich nicht alles alleine machen muss und sie nicht dauerhaft als Handpferd
nehmen muss. Und dann war da natürlich auch immer die Frage, wer einem sein Pferd, das kinderkompatibel ist, zur Verfügung stellen würde für einen solchen Urlaub.
Für zwei Pferde reichen momentan die Finanzen und auch die Zeit einfach nicht, und solange Leni Rocco noch nicht richtig selbstständig reiten kann, macht es auch keinen Sinn. Denn wenn ein 2. Pferd, dann würde ich ein „neues“ Wanderreitpferd für mich kaufen wollen und Rocco gesundheitsbedingt für die leichtere und gemütlichere Arbeit sowie eben auch als Lenis Reitpferd einsetzen wollen.
Der Urlaub mit Leni im Wendland war sehr schön, natürlich durch das Reiten und die viele Arbeit mit Packen und entpacken und organisieren nicht körperlich, aber zumindest geistig entspannend.
Und ich denke, ich werde über unser Abendteuer im Ganzen – denn wir sind ja neben dem Wanderritt noch mehrere Tage in Ziemendorf gewesen – mal wieder versuchen ein Buch zu schreiben. Vielleicht diesmal ein kleineres als bisher. Ich halte euch natürlich auf dem Laufenden!

 

GPS Route für Nachreiter:

Wanderreiten mit Kind Prezelle-Ziemendorf GPS

Wanderreiten mit Kind – Ziemendorf nach Prezelle

Um halb acht wache ich auf und gehe mit Gina als Gassirunde die Pferde versorgen. Leni schläft noch selig weiter. Als ich um 8 zurück im Zimmer  bin, wacht auch Leni auf. Wir gehen frühstücken und packen danach auf dem Zimmer die restlichen Dinge für unseren Wanderritt ein.  Dann gehen wir endlich abäppeln – Leni wartet tatsächlich schon fast sehnsüchtig darauf. Um halb zehn stehen die Pferde angebunden am Pferdehänger und wir teilen die Arbeit auf: Leni putzt beide Pferde und ich sattle und bepacke sie.

Nach anderthalb Stunden sind endlich beide Pferde sauber, gesattelt, in Zebras verwandelt, mit allen Gepäckstücken beladen, getränkt und aufgetrenst. Ganz schön viel Arbeit, wenn man für zwei die Pferde voll bepackt. Ich muss zugeben, dass ich in diesem Urlaub beschließe, die zukünftigen Wanderritte mal wieder mit Gepäcktransport zu buchen, wenn dies angeboten wird. Es ist für Rocco mit seinem ewigen Energieproblem durch die kaputte Lunge natürlich besser zu schaffen, wenn er nicht auch noch Gepäck mitschleppen muss. Ich muss es ihm eben so leicht wie möglich machen. Hier läuft Rocco recht motiviert voran, aber auch längst nicht mehr so wie zu früheren Wanderritten. Wir traben auch weniger und reiten sehr viel Schritt.

Um 11:30 Uhr starten wir dann in Ziemendorf und reiten in Richtung Westen vom Gelände. Unser erstes Zwischenziel auf dem Weg nach Prezelle ist natürlich die Pferdeschwemme im Ahrendsee. Wir reiten am Waldrand entlang und nehmen einen späten Abzweig nach links, um uns den Ritt durch den Ort Zießau zu sparen. An der Straße muss ich immer absteigen, Gina an die Leine nehmen wegen der Autos und gleichzeitig auf Hördur achten, dass er nicht plötzlich auf die Straße abbiegt. Er nimmt Lenis Versuche, ihn irgendwo hin zu lenken, nicht sonderlich ernst. Deshalb muss man immer bereit sein, wenn die Situation es erfordert. Deshalb ist es hier im Wendland generell auch so schön einfach zu reiten, denn Straßen trifft man kaum, befahrene Straßen noch weniger und Menschen unterwegs im Wald erst recht nicht. Selbst wenn Hördur also meint, eine andere Richtung einschlagen zu müssen – weil er der Meinung ist, dass es Zeit ist wieder nach Hause zu laufen – kann man ganz einfach antraben (denn diese „Durchgeher“ passieren nur im Schritt), sich den Zügel greifen und Leni helfen, das Pferd in die gewünschte Richtung zu bugsieren 😂🙈
Er ist einfach ein Sturkopf und nimmt alles unter 50Kg Reitergewicht nicht ernst.
Außerdem sind er und Rocco ständig der Meinung, kurz vor dem Verhungern zu stehen, und so wird wirklich jede Gelegenheit genutzt, um irgendwo an dem total vertrockneten Gras zu knabbern. Und auch jede nicht vorhandene Gelegenheit wird genutzt.
Auch dabei lässt Hördur sich nicht von der ihn antreibenden, an den Zügeln hochziehen wollenden Leni beeindrucken und grast selig weiter. Also muss ich Rocco vom Gras wegzerren, zurück zu Hördur, mir seinen Zügel greifen, mit ihm schimpfen und ihn mitnehmen. In der kurzen Pause, in der ich nach Hördurs Zügel greife, ergreift Rocco wiederum die Chance und beißt genüsslich in das neben uns liegende Maisfeld hinein. Argh! Kurze Unachtsamkeit nun Hördur gegenüber, und sein Kopf verschwindet auch im Mais.
Das ist ja zum ausflippen mit den beiden. Nachdem ich wie ein Rohrspatz geschimpft habe und Hördur wieder zum Handpferd degradiert habe, sind alle beleidigt und genervt. Leni und ich tadeln Hördur, dass er jetzt wieder im Kindergarten ist und deshalb als Handpferd laufen muss. Wer frech ist, wird Handpferd und darf nicht mehr frei laufen. Selbst schuld.
Auf dem Weg zur Pferdeschwemme macht Rocco an der Fischerei, an der man vorbeireitet, wieder ein fürchterliches Theater. Schon vor Jahren hat er sich hier stark gegruselt und auch damals ist er mir in das Feld zu unserer Rechten gerannt. Diesmal reite ich ihn rückwärts an der Fischerei vorbei, denn der Vorwärtsgang klemmt. Kurz darauf kommen eine abgekämpfte Jule, ein gestresster Rocco, ein weiterhin beleidigter Hördur, eine leicht verwirrte Leni (was ist heute mit den Pferden los?) und eine aufgekratzte Gina (da war eine Katze!) am See an.
Leni zieht ihre Schuhe und Socken aus, dann reiten wir, mit Hördur weiterhin als Handpferd, in den See.
Rocco steht ja nicht sonderlich auf das sich bewegende Wasser und will immer schnell zurück zum Ufer. Aber wir schaffen es noch einmal, den schönen Gang zwischen dem Schilf hindurch zu reiten und stehen kurz danach im offenen See. Ich liebe diese Pferdeschwemme. Dieser Moment, wenn man mitten im See steht.. einfach nur toll! Die Pferde laufen plötzlich schnurstracks weiter, als ob sie den See durchqueren wollten. Das wollen wir mit unserem ganzen Gepäck ja nun doch besser nicht.
Gina schwimmt wie immer mit großem Abstand neben uns her.
Nachdem wir die Schwemme verlassen haben, steigen wir ab und lassen die Pferde das saftige Gras fressen, damit wir erstmal Ruhe vor ihrem Fresswahn haben. Leni zieht sich ihre Reitstiefletten wieder an und kurze Zeit später tritt der olle Hördur ihr mit vollem Gewicht auf den Fuß!
Ein paar große Tränen und erneut eine kurze Schimpftirade mit Hördur „mir egal wo du stehst“ später kühlt Leni ihren Fuß im See, cremt ihn dick mit Latschekiefer Salbe ein und zieht tapfer Socke und Schuh wieder an. Das Auftreten tut noch weh, der Schreck sitzt noch in ihren Knochen. Wir besprechen, dass wir eine halbe Stunde Schritt entlang der Route reiten und uns dann Lenis Fuß erneut ansehen. Wenn er blau wird, brechen wir sofort ab und fahren zum nächsten Arzt oder Krankenhaus.
Irgendwann steigt Leni wieder in ihren Steigbügel und sagt, es geht schon besser. Derweil reiten wir einen nicht eingezeichneten Weg zwischen Gerstefeldern entlang, der parallel zu unserem verläuft. Wir treffen eine Reh-Familie und dann huscht, leider etwas verdeckt vom Gebüsch, ein weißes Dammwild davon. Schade, dass ich es Leni nicht nochmal zeigen konnte, da war es schon spurlos verschwunden. Gina zieht derweil ständig an ihrer Leine, die ich ihr sofort angelegt habe, als Familie Reh in Sicht kam.
So habe ich links eine ziehende Gina und rechts in der Hand einen Rocco, der doch immer mal wieder Versuche startet, Gras vom Weg zu fressen. Irgendwann müssen meine Arme davon länger werden…
Leider endet unser Weg mitten an einem Feld. Der Parallelweg ist nur 50Meter von uns entfernt und im Feld verlaufen die Spuren des Traktors, der das Gerstefeld bestellt. Also nehmen wir spontan eine der breiten Reifenspuren und zerstören so nicht weiteres Getreide. Am Ende der Traktorspur folgt ein ausgetrockneter Graben. Leni muss nun auch absitzen, Gina darf von der Leine – alles Wild ist weg und ich lasse zuerst Rocco alleine durch den Graben klettern. Leni nimmt ihn mit Sicherheitsabstand auf der anderen Seite in Empfang. Dann folge ich mit Hördur am langen Strick. Er klettert ebenfalls tapfer durch den Graben und schon stehen wir alle wieder auf einem richtigen und hier so typischen Sandweg.
Die Pferde dürfen grasen und wir inspizieren Lenis Fuß.
Es ist nichts mehr zu sehen! Es kann also ganz normal weiter gehen. Wir sitzen wieder auf und traben bald mal wieder an.
Wir tauchen wieder in den Wald ein und treffen wieder einmal auf das grüne Band – den ehemaligen Grenz- bzw. Todesstreifen.
Wir folgen im nur ein kurzes Stück und reiten dann weiter nach Norden. Wir traben noch einmal, dann finden wir eine Stelle mit viel saftigem Gras und halten an. Pause!
Wir haben nun 9km hinter uns und noch 7-8km vor uns.
Leni setzt sich mit allem ess- und trinkbaren auf den grasbewachsenen Waldweg, während ich die Pferde am langen Seil grasen lasse. Nach 10Minuten binde ich erst Hördur, dann Rocco hoch angebunden an einen Baum. Rocco knabbert immer mal wieder an der Buche neben sich und döst dann. Hördur läuft unruhig um seinen Baum herum knabber mal hier, mal da. Kratzt sich, dreht sich, buddelt genervt mit dem Huf…
irgendwann gebe ich es auf, seinen Strick höher und höher anzubinden und lege mich auf den Waldboden. Ich bin wohl kurz eingenickt, aber als ich wieder hochschaue, spielt Leni neben mir weiterhin mit Tannenzapfen und beide Pferde dösen entspannt.
Nach einer Stunde Pause ziehen wir weiter. Wir führen die Pferde ein Stück, dann sitzen wir auf und reiten weiter. Der Wald gehört weiterhin uns allein, niemand ist zu sehen. Es duftet wie immer nach Baumharz und Tannennadeln. Und nach Sommer im Wald. Wir traben ein längeres Stück und stellen danach fest, dass es ein ganzer Kilometer war. So lange ist Leni glauben wir noch nie am Stück getrabt. Wir traben kurz danach wieder und galoppieren an. Hördur scheint sich so sehr darüber zu freuen, dass er erstmal ein paar kleine Buckler hinlegt. Leni hält sich tapfer, wir traben sicherheitshalber erstmal weiter. Nach einer kurzen Schrittpause galoppieren wir noch einmal und Hördur ist diesmal brav. Ein letztes Mal muss ich absitzen, um Gina Wasser zu geben. Es gibt weit und breit nichts zu trinken und auch für die Pferde wird es wohl bald mal Zeit. Aber in 1,7km sind wir eh am Ziel. Ich gebe den Pferden den Inhalt meiner 2. Wasserflasche, aber nur Rocco trinkt. Wir traben noch einmal. Der Wind frischt auf und kühlt unsere verschwitzten Gesichter. Kurz darauf endet der Weg in einer asphaltierten, unbefahrenen Landstraße und wir lassen die Pferde Schritt gehen. Zehn Minuten später erreichen wir den Ort Prezelle und sitzen ab.
Wir führen die Pferde durch den süßen, ruhigen Ort und landen leider erst einmal an der privaten Adresse von Christiane und Peter. „Die Wanderreitstation befindet sich in der Dorfstr. 55/57“ steht auf einem Zettel. Leider zeigt meine App „Maps3D“ die Dorfstr. nicht mit Namen an und Netz für GoogleMaps habe ich nicht. Hmmm. Wir wandern einfach mal weiter und zum Glück kommt Chrisitiane uns schon mit dem Fahrrad entgegen, um uns einzusammeln.
Wir kommen auf einen gemütlichen Hof, dem die Jahre anzusehen sind. Christiane erzählt uns, dass hier 20 Jahre lang Mieter gewohnt hätten und sich nicht um die Pflege der Gebäude gekümmert hätten. Sie wollen hier nun selbst wieder einziehen, aber dafür gibt es noch einiges zu tun.
Die Pferde kommen auf ein Stück Weide mit verbranntem Gras – hier im Osten scheint der heiße Frühling noch heftiger gewesen zu sein. Es gibt frisches Heu und Christiane zeigt uns die Boxen mit kleinen Paddocks davor für die Nacht, so dass Rocco mal in Ruhe schlafen kann, ohne von Hördur aus der Box gescheucht zu werden.
Unsere Ferienwohnung ist sehr schön und hat alles, was man braucht. Zu Lenis Freude sogar einen Fernseher.
Nach anderthalb Stunden kommt Christiane mit einem riesigen vegetarischen Nudelauflauf und wir essen gemeinsam. Danach bringen Leni und ich die Pferde ins Bett und Leni darf vor dem Fernseher etwas abschalten.

 

Lenis Zusammenfassung des Tages:

GPS-Route für Nachreiter:

Wanderreiten mit Kind Ziemendorf-Prezelle GPS

Heister Wald und Eis essen

Heister Wald Kachelöfchen

Heute haben wir recht spontan eine 20-Kilometer-Tour hingelegt. Ich war mit Chris, die ihren Traber-Knabstrupper-Mix Jiaccomo in Roccos Herde stehen hat, zu einem längeren Ausritt verabredet. Wir dachten, wir reiten mal wieder in den Heister Wald, in die Gegend kommen wir nicht so häufig und die Holmer Sandberge hängen uns und den Pferden langsam zu den Ohren raus 🙂

Gemütlich sind wir in Richtung Holm geritten, dort über den Lehmweg hinüber und dann im Holmer Wald eingetaucht. Danach vorbei an den zwei Reiställen, Deelenhof und Hof Weidengrund. Danach geht es bald rechts in einen Reitweg hinein, man kreuzt einen Spurenweg und schräg rechts gegenüber geht es wieder in einen Reitweg hinein. Man kreuzt eine Brücke über die Holmau und taucht dann nach einem recht schmalen Reitweg in den Heister Wald ein. Wir ritten weiter Richtung Norden, eine wunderschöne Galoppstrecke, auf der die Pferde nochmal Gas geben konnten und kamen dann nach Heist hinein. Beim Eiscafé zum Kachelöfchen gab es dann endlich eine Pause.
Die Pferde durften Grasen, Gina durfte sich ausruhen und Chris holte uns riesige Eistüten. Auch Gina bekam einen Becher mit einer Kugel Vanilleeis.

Die Pause tat allen gut und danach ging es flotten Schrittes zurück in Richtung Holmer Sandberge.
Rocco war leider nicht allzu motiviert. Gestern war er bereits länger mit seiner Reitbeteiligung unterwegs und ich denke mal, dass seine Krankheit ihm eben irgendwo immer Grenzen setzen wird. So gut seine Atmung heute auch war und sein Tempo war zumindest nicht total langsam, man merkte ihm eben an, dass er nicht 100% dabei war. Ich merke mir also, ihn vor längeren Ritten lieber einen Tag zu schonen.
Und natürlich habe ich mir heute während der Tour wieder so meine Gedanken gemacht über das Wanderreiten mit dem gesundheitlich eingeschränkten Rocco.
Vermutlich werden wir uns auf Tagestouren bis maximal 25km beschränken müssen, wenn er denn am Tag zuvor einen Ruhetag hatte. Einen Wanderritt, der länger als 2 Tage geht, sollte ich mit ihm nicht mehr machen. Und wenn dann nur mit einer Pause alle 2 Tage. Die Tagesabschnitte eines Wanderritts sollten wohl geplant eher 15km betragen – denn erstens wird es meistens doch ein wenig länger als die Route, die man sich per GPS so ausmisst, und zweitens kann man ja immernoch Schlenker einbauen, wenn man merkt, dass er noch lauffreudig genug ist.

Insgesamt muss ich sagen, dass ich weiterhin mit der Überlegung spiele, mir in der näheren Zukunft (1-2 Jahre?) vielleicht doch noch ein zweites Pferd zu kaufen, mit welchem eben das Thema Wanderreiten wieder deutlich mehr angegangen werden kann. Ich würde Rocco niemals verkaufen, weil er nicht mehr die Leistung bringen kann, die ich von ihm bräuchte. Er ist und bleibt mein absolutes Herzenspferd. Aber ich möchte ihn auch nicht zu etwas drängen, was er nicht mehr leisten kann und ich möchte auf der anderen Seite gerne weiterhin flottere und längere Wanderritte machen können.

Der Gedanke muss sich erst einmal weiter setzen und in Ruhe und über längere Zeit überdacht werden. Die Finanzen müssen dafür ordentlich geprüft werden und dann bekommt Rocco vielleicht einen Kumpel, der ihm die harte Arbeit abnimmt.
Jedenfalls muss ich erst einmal damit zufrieden sein, dass Rocco gesundheitlich überhaupt wieder so weit gekommen ist und so lange Touren überhaupt möglich sind. Er wird aktuell jeden Tag bewegt, sei es von seiner  Pflegebeteiligung bei sehr sehr langen Spaziergängen oder von seiner  Reitbeteiligung bei langen, abwechslungsreichen Ausritten oder von mir bei langen Ausritten, kurzen flotten Ausritten oder auf dem Reitplatz. So gut in Form und gut konditioniert war er lange nicht mehr, denn alleine kann ich das gar nicht leisten, was wir nun zu dritt mit ihm schaffen. Roccos Mädels sind unbezahlbar 🙂

Dass Rocco überhaupt nochmal so fit werden würde, hätte ich vor anderthalb Jahren niemals für möglich gehalten. Und so muss man einfach glücklich sein, dass das Pferd überhaupt noch einmal eine solche Lebensqualität erreicht hat!

P.S.: Übrigens ist es herrlich, während eines Deutschland-WM-Spiels einen Ausritt zu machen. Wir hatten den GANZEN Wald für uns 🙂

Mini-Wanderritt

Und, wie schwitzt ihr euch so durch?
Leni und ich waren gestern bei luftigen 26 Grad an der Weide. Als die Pferde – äh sorry, Zebras 🦓 – dann gesattelt waren, war der Wind still und die Sonne draußen. Und plötzlich war es so stickig warm! Ächz. Wir sind eine gemütliche schattige Runde durch die Holmer Sandberge geritten und haben danach die Pferde mit Wasser abgekühlt. Und uns dann selbst in die nächsten Fluten gestürzt.
In 4 Wochen geht es für uns los auf den nächsten Wanderritt! Diesmal ein ganz ganz kleiner, da es für Leni eine Premiere sein wird.
Der erste Wanderritt mit 9 Jahren!

Wir freuen uns beide schon riesig auf den Urlaub mit Rocco und Isländer Hördur. Wir werden ins wunderschönen Wendland fahren und dort wieder beim Pferde- und Freizeitparadies Ziemendorf wohnen. Von dort aus starten wir viele Baderitte zur Pferdeschwemme und unseren 2-Tages-Wanderritt 😊🦓🐶