Hufkrankheiten, Lungenprobleme und Corona

Hufkrankheit Hufeisen Barhuf Hufschuhe

Es ist einige Zeit her, dass ich etwas gepostet habe. Im Dezember lief Sly plötzlich extrem fühlig. Wir nahmen die Duplos ab und ließen wieder Eisen raufnageln. Doch das half nicht lange. Im Januar lief Sly wieder schlechter, wollte nicht mehr auf hartem Boden laufen und auch auf unseren Reitwegen versuchte er immer, weicheren Boden zu erreichen. Ich stellte fest, dass sein Strahl und Ballen an den Hinterhufen extrem geschwollen waren und auch sehr empfindlich waren. Es folgte eine Reihe von Terminen mit Tierarzt und Hufschmied, doch irgendwie wusste keiner so recht, was los war. Das Wetter war extrem nass, überall überschwemmten die Bäche und Wiesen, Sly stand sicherlich auch viel auf nassem Boden, auch wenn unsere Paddocks recht schnell trocknen, nicht tief vermatschen und Paddockmatten um die Heuraufe herum liegen. Aber die Nässe schien ein Problem zu sein. Er stand ein paar Nächte in der Box und die Hufe erholten sich. Kaum stand er wieder 24 Stunden draußen, war das Problem zurück. Schmerzmittel und Entzündungshemmer halfen nicht, auch Spezialbeschlag machte es nur noch schlimmer. Ich warf das Geld zum Fenster heraus und kam nicht voran. Verzweiflung.. Rocco hatte sich gleichzeitig einen Heuhalm ins Auge gestochen und die Hornhaut verletzt. Ergebnis: drei mal Täglich zwei Salben ins Auge einbringen. Unmöglich, wenn man noch versuchen wollte zu Arbeiten. Emma und ich mussten irgendwie täglich Slys Box misten, Heunetze für ihn stopfen, seine Hufe waschen, trocknen lassen, mit Hufteer behandeln, trocknen lassen und ihn danach in die frisch gemistete Box entlassen sowie Roccos Auge behandeln. Eine kraftzehrende Zeit.. Zudem kamen nun heiße Hinterhufe und Fesseln bei Sly hinzu. Ich machte mir natürlich Sorgen, dass wir hier eine fette Entzündung verschleppen würden, wenn das so weiterging.

Ich holte mir Rat bei verschiedenen Huforthopäden und entschied dann, dass die Eisen runter sollten. Niemand wusste hier noch Rat, also mussten wir eine Alternative zu Hufeisen versuchen.

Die Eisen wurden also vor inzwischen zwei Monaten heruntergenommen und Slys Laune wurde schlagartig besser. Wir entließen ihn aus seiner inzwischen 22 Stunden Boxenhaft zurück aufs Paddock. Natürlich lief er von diesem Tag an extrem fühlig. Gerade auf dem gepflasterten Hof wollte er gar nicht mehr laufen. Die Huforthopädin bat mich um viel Geduld, ich solle mich nicht verunsichern lassen. Es würde bis zu drei Monate dauern, bis Sly sich an das Barhuf laufen gewöhnen würde. Also schauten wir nicht allzu genau hin und trainierten mit ihm: spazierengehen auf verschiedenen Böden, nicht zu lang und nicht zu oft, er durfte sich auch den Boden selbst auswählen. Als es langsam besser wurde, begann ich mit Longieren. Er lief furchtbar. Als hätte er überall steife Glieder. Doch auch das wurde besser, er trabte locker und dehnte sich vorwärts-abwärts. Nur im Galopp mochte er noch nicht laufen.

Inzwischen wurden die Hufe noch einmal korrigiert, danach lief er wieder sehr fühlig. Doch auch diese Zeit ging vorbei und nun merken wir täglich eine Verbesserung. Doch nun hat natürlich die Coronakrise auch uns einen Strich durch den Trainingsplan gemacht. Der Stall ist nur zur Notversorgung geöffnet, die Pferde, die medizinisch bewegt werden müssen, dürfen bewegt werden. Unsere Pferde stehen ja glücklicherweise Tag und Nacht in ihrer Herde auf einem großen Paddock oder einer Weide und können sich nach Lust und Laune bewegen.
Also besuche ich Sly momentan etwas weniger, gehe mit ihm spazieren oder longiere ihn und endlich läuft er an der Longe auf dem Reitplatz wieder wie früher. Er trabt und galoppiert locker dahin und auch Bocksprünge und Renngalopp sind drin. PUH!

Nun muss er noch auf Asphalt besser laufen können, aber auch hier wird es sehr langsam besser, und so kann ich mich nun mal wieder mit dem Thema Hufschuhe beschäftigen..

Rocco geht es bei dem warmen, trockenen Wetter leider nicht so gut. Wir beobachten ihn dieses Frühjahr und im Sommer genau und vergleichen anhand von Fotos und Videos seinen Zustand mit den letzten Sommern. Sein Bauch, bzw. seine Lunge ist wieder extrem aufgebläht, doch zeigt er (noch) keine Schmerzfalten. Er ist an kühleren Tagen bester Stimmung, frech und flott. Ansonsten fängt er schnell an zu schnaufen, wenn wir spazieren gehen und auch stolpert er ab und an mal. Wir passen seine Bewegung an seinen Zustand an, inhalieren ihn weiterhin regelmäßig und müssen eben versuchen, dass seine Lunge zwischendurch etwas tut, um den Schleim zu lösen. Aber bevor er sich quält, muss ich den schweren Schritt gehen und ihn erlösen lassen. Ich hoffe, ich merke es früh genug.

Hufschuhe, Hufeisen, Hufwachstum..

Sly und ich gehen das Training langsam an, da wir noch die richtige Lösung für seine fühligen Hüfchen suchen. Dallmer Hufclogs waren es wohl nicht (die klemmen wohl zu doll den Huf zusammen? Jedenfalls machten sie keinen großen Unterschied), jetzt haben wir zumindest vorne die Equine Fusion Jogginschuhe, die Rocco früher auch schonmal getragen hat. Ich bin etwas unsicher damit, da Rocco mit ähnlichen Schuhen mal im Galopp über Kopf gegangen ist und auch mit den Jogginschuhen damals viel gestolpert ist. Das muss nicht sein…
Wir versuchen es erst noch weiter mit den Joggingschuhen, zumindest für Schritt+Trabausritte sollte das gehen. Bei Galopp bin ich mir seit Roccos Sturz mit meiner Freundin Inga unsicher. Und wir brauchen die Schuhe wohl auch für die Hinterhufe, denn auch die tun ihm weh.
Vermutlich muss der arme Sly nach dem Winter erst einmal 4 Hufeisen bekommen und wir müssen abwarten, ob seine Hufsohlen etwas härter werden. Wenigstens hinten wäre das wirklich hilfreich, denn ich mag keine 4 Hufeisen. Und mein Konto auch nicht 😉 Aber 4 Hufschuhe mit Stolpergefahr mag ich noch weniger.
Doch jetzt ist erst einmal die Hauptsache, dass Sly nicht wie auf rohen Eiern läuft, sobald er harten Boden unter den Hufen hat. Er kann so einen schönen, flotten Schritt hinlegen, wenn er auf weichem Boden läuft und macht sich auch sonst super.
Er reagiert auf dem Reitplatz leider ziemlich sauer auf Schenkeldruck, ich vermute mal, da wurden früher die Sporen allzu deutlich eingesetzt. Da meine Waden aber ohne Dornfortsätze auskommen und ich zusehe, dass mein Schenkeldruck minimal ist, werden wir das schon hinbekommen.
Die Osteopatin war da und hat ihm ein paar Blockaden gelöst, die Zahnärztin war da und hat einen echt fiesen hochgewachsenen Backenzahn, der schon das Zahnfleisch verletzt hat, begradigt und generell die Zähne auf Vordermann gebracht.
Sly ist jetzt also rundum vorbereitet, der neue Sattel ist auch da und passt hervorragend und der Frost ist auch erstmal vorbei.
Wenn wir also eine gute Lösung für die Hufe haben, steht den richtig langen Ausritten und dem Training für den ersten Wanderritt auch bald nichts mehr im Weg 🙂

 

Rocco hat wieder Dampf abgelassen, als ich das letzte Mal bei ihm war und ist wie von der Tarantel gestochen mit seinem Ball durch die Halle gefetzt. Das Video gibt es auf Facebook. Er ist einfach zu lustig.

Ansonsten ist er sehr zufrieden mit seinem Leben in Rente und hat wieder deutlich mehr Energie. Auch in der Herde ist er gut angekommen und weicht nicht mehr jedem Pferd aus, traut sich auch in den großen Unterstand, wenn dort andere Pferde stehen und schickt sogar auch mal ein anderes Herdenmitglied aus dem Weg. Ich bin wahnsinnig froh, dass es ihm so gut dort geht!