Sommerpause? Schrecktraining, Vertrauen aufbauen

Liebe Wanderreiterfreunde,

tatsächlich habt ihr länger nichts gehört, und das liegt einfach daran, dass wir etwas langsamer voran kommen, als ich mir das so vorgestellt hatte. Thema: Erwartungshaltung 😉
Der Urlaub bei Rocco hat Sly psychisch nicht so gut getan. Das ging wohl dann doch alles etwas zu schnell. Zwei Tage vor unserer Abfahrt gen Norden ist unsere Herde von der Winter- auf die Sommerweide gezogen, welche Sly tatsächlich total gruselig fand. Überall rascheln die Bäume, es weht dort meistens irgendein stärkeres Lüftchen. Er wollte partout nicht nach vorne mitkommen, wo wir einen Anbinder für die Pferde haben und unseren Bauwagen, in dem wir Futter, Putzzeug und sonstiges im Sommer lagern.
Die Weide ist wunderschön gelegen, im Sommer sitzen wir oft dort abends noch mit einem kalten Schöffi oder Alster in der Abendsonne und schauen den Pferden beim Grasen zu. Aber Sly fand das alles nicht so idyllisch wie wir.
Auf der Winterweide konnte ich beobachten, wie die Pferde ständig lagen und schliefen. Seit wir auf die Sommerweide umgezogen sind – und das ist inzwischen 3 Monate her – habe ich kein einziges Pferd liegen sehen. Sly war außerdem insgesamt plötzlich schreckhaft, sah überall Gespenster, rannte uns teilweise mit seinem dicken Quarter-Hintern über den Haufen, wenn er sich in der Schleuse am Bauwagen vorne plötzlich herumdrehte und in eine andere Ecke rannte.
Meine Vermutung: der Umzug auf die Sommerweide und zwei Tage später der Urlaub bei Rocco, wo Sly anfangs etwas weiter entfernt von den anderen Pferden stand, hat das so selbstverständlich aufgebaute Vertrauen ziemlich beschädigt. Also zurück auf 0 und von vorne anfangen.
Wir haben Sly nun seit Mitte Mai mehr vom Boden gearbeitet, sind spazieren gegangen, haben Schrecktraining gemacht, haben einfach nur mit ihm in der gruseligen Schleuse gestanden und geatmet, entspannt, ihn massiert, Magnesium gefüttert und es gab sogar zweimal Akupunktur von Chris Bahnsen, die ihn sichtlich entspannt hat.

Nun füttern wir ihm zusätzlich noch eine Nervenkräutermischung aus der Krauterie und haben den Hafer komplett abgesetzt, auch wenn es davon sowieso nur noch 1-2 Hände voll gab.
Was auch immer den gewünschten Effekt gebracht hat, es wirkt jedenfalls.
Das Vertrauen ist zurück, Sly ist deutlich entspannter, der Wind stört ihn viel weniger und auch das Satteln funktioniert wieder in der gruseligen Schleuse.
Durch eine glückliche Fügung konnten wir außerdem auf eine andere Sommerweide wechseln, welche einen steinernen Unterstand bietet, so dass er dort auch mal Schutz vor den Insekten suchen kann. Denn es hat sich leider herausgestellt, dass Sly Ekzemer ist (hauptsächlich bei Bremsen). Auch wenn er  diese Problematik in seiner alten Heimat, die auch näher an der Nordsee lag, nicht gezeigt hat, kann ein anderer Ort diese Allergie hervorheben.
Trotz Ekzemerdecke, Fliegenmaske und Ekzoderm ist er also recht genervt und alles juckt schrecklich… glücklicherweise scheuert er sich aber nicht die Haut kaputt.

Nachdem nun auch noch die Hitzewelle den Norden heimgesucht hatte, fangen wir jetzt endlich wieder an mit den Ausritten. Geplant ist im August eine Tour zu meiner Freundin Daniela, die ihr neues Pferd in der Nähe meiner Wohnung stehen hat. Hier fangen wir also wieder an, alleine loszufahren, auszureiten und Sly zu zeigen, dass man abends wieder zu Hause ankommt und nicht in der “Ferne” übernachten muss. Im September ist dann der erste Tagesritt mit Daniela geplant. Ich halte euch natürlich auf dem Laufenden und freue mich schon, dass es langsam losgeht!

Zu Rocco: dem geht es je nach Wetter entsprechend. Einen Tag mit 15 Grad und Nieselregen hat er groß gefeiert, mit steigen, buckeln und spielen, bis ich überall blaue Flecken hatte 😀
Eine Tierärztin war an einem sehr heißen Tag vor Ort und hat sich seinen festen Bauch angesehen. Sie vertritt hier eine andere Theorie und meint, dass der Darm das Problem sein könne. Nun sanieren wir den Darm einmal mit Mikroorganismen. Ich bin super gespannt. Wenn dadurch sein fester, aufgeblähter Bauch weggeht, können wir ihm sein Leben so viel schöner gestalten. Er läuft ja nun seit über einem Jahr mit diesem Bauch herum. Nur im Winter war dieser endlich weg, als Rocco auf Rehedyk angekommen ist. Seit die Temperaturen höher sind, ist auch der dicke Bauch wieder da – und das hat nichts mit der Futterration zu tun.
Ich hoffe so sehr, dass die Darmsanierung ihm hilft!