Säbelscheidentrachea, Lungenfibrose, COB,.. da bleibt einem die Luft weg..

Hallo liebe Wanderreit-Freunde,

heute schreibe ich mit schwerem Herzen diesen Beitrag. Rocco hat sich leider den ganzen Sommer hindurch nicht besonders gut gefühlt. Er stand ständig mit sehr aufgeblähtem Bauch (Lunge?) auf der Weide, man durfte seinen Bauch hinten-unten nicht anfassen (dann flog eventuell der Hinterhuf) und seine Nüstern waren oft im Schmerz leicht nach oben gezogen. Meine Reitbeteiligung Emma und ich begannen also, ein Tagebuch zu führen. Wetterdaten, Zustand Rocco, Fotos der Nüstern + des Bauches, Beobachten der Falten und der Scheimhäute. Der Sommer war wunderschön für uns, aber für ein lungenkrankes Pferd war er die Hölle.

Wir dokumentierten sehr, sehr viele Tage mit hochgezogenen Nüstern und Blähbauch. Es gab häufig Tage, an denen er uns keinen Schritt entgegen kam, sondern wartete, bis wir über die große Weide zu ihm kamen, ihm sein Leckerli gaben, dann durften wir auch schon wieder gehen. Er mochte einfach nicht mitkommen, geschweige denn geritten werden.

Nach dem Wanderritt mit meinem Patenkind beschloss ich schon, Rocco selbst entscheiden zu lassen, wann er etwas tun möchte und wann nicht. Denn dass er auf dem Wanderritt so unmotiviert und antriebslos war, war für mich ein sehr alarmierendes Zeichen. Er liebt es, in fremdem Gelände zu laufen und marschiert dort normalerweise vorwärts wie ein Zinnsoldat.

Es stand ziemlich schnell fest, dass Rocco wirklich nicht viel wollte. Fressen, kuscheln, spazieren gehen. Reiten war ab und zu drin, dann aber meist eher langsam. Maximal eine Stunde Ausreiten, dabei ein paar kurze Trab- und Galoppsequenzen. Nichts anstrengendes. Immer so, wie Rocco es zuließ.

Im Herbst fing er sich dann gleich zwei Schlundverstopfungen innerhalb von einer Woche ein. Ich nahm mir vor, mit meinem Tierarzt zu sprechen, ob wir Rocco einmal genauer untersuchen könnten. Was war mit ihm los? Hatte er vielleicht doch etwas mit dem Magen oder Darm? War der aufgeblähte Bauch doch nicht die Lunge, sondern etwas anderes?

Und vor anderthalb Wochen hatten wir dann einen Termin: Gastroskopie, Ultraschall der Lunge (wie kaputt ist sie denn jetzt?) und eventuell Ultraschall von Magen und Darm.

Die Gastroskopie ergab nichts spannendes und die Tierärztin überredete mich, doch nochmal eine Bronchioskopie zu machen. Nach drei Jahren, so meinte sie, könne sich da einiges verändert haben. Das stimmt natürlich auch wieder.

Also kam der nächste Schlauch mit Kamera durch die Nüster, diesmal in die andere Röhre. Doch zuerst stellte die Tierärztin fest, dass man bei Rocco durch die linke Nüster gar nicht hindurch kommt. Nicht einmal mit dem kleinen Finger konnte man hier weit kommen. Roccos Nase ist ja sehr schief, aber dass es so schlimm ist, war mir nicht bewusst. Dann kommt natürlich auch viel weniger Luft durch diese Nüster!

Als die Kamera durch Roccos Luftröhre fuhr, wurde mir ganz schlecht. Die Luftröhre war viel enger, als ich sie in Erinnerung hatte aus der Untersuchung vor drei Jahren. Auch der Tierärztin fiel das sofort auf. Und die Tatsache, dass man recht viel Knorpel auf dem Video sehen konnte.

säbelscheidentrachea
Säbelscheidentrachea – dieses Bild kommt noch aus der letzten Bronchioskopie vor 3 Jahren..Damals wurde es nicht erkannt.

Sie stellte fest: Rocco hat eine Säbelscheidentrachea. Eine genetisch bedingte Verengung der Luftröhre, die sich nicht aufhalten lässt und fortschreitet. Die Luftröhre wird immer ovaler und verknorpelt immer mehr.

Das war wirklich niederschmetternd. Kein Wunder, dass die Luft nicht aus der Lunge herausbekommt, wenn er nur eine richtig funktionierende Nüster hat und dann auch noch die Luftröhre so furchtbar eng ist…

Es wurde noch eine Schleimprobe entnommen, dann waren endlich alle Schläuche aus Roccos Hals entfernt.

Als nächstes packten die Tierärzte das Ultraschallgerät aus und untersuchten die Lunge. Ich hatte Rocco extra vorher die Lunge frei-geschoren.  Sieht völlig bescheuert aus und der arme Kerl muss nun mit Decke auf der Weide stehen, aber wir haben auch da ein Ergebnis bekommen. Und zwar ein niederschmetterndes.

Egal, welchen Ultraschallkopf der Tierarzt ausprobierte – Roccos Lunge war nicht zu sehen. Nach einer halbe Stunde des ausprobierens stellte der Tierarzt daraufhin fest: Rocco hat außerdem eine Lungenfibrose im Endstadium. Also komplett vernarbtes und entzündliches Lungengewebe…

Zusammen mit der Säbelscheidentrachea, der superengen Nüster und der COB, die er ja schon länger hat, haben wir also bestimmt einen 3-fachen Gewinn im Lotto geschafft…

Aber so stand auch sehr schnell fest, dass Rocco dringend an die Nordsee muss, und zwar für immer. Würde ich ihn hier behalten, wüsste ich nicht, ob er den nächsten Sommer noch schafft. Ich möchte, dass Rocco es gut hat und er nicht leiden muss, wenn er einfach nur auf der Weide steht. Ich fände es so toll, wenn er noch ein paar. jahre ein Leben mit weniger Beschwerden führen kann.

Deshalb zieht Rocco am 24.11. leider um an die Nordsee, wo er in meinem Besitz bleibt, aber ein Frührentendasein genießen kann. Er wohnt dort in einem tollen Stall mit Offenstallhaltung, Salzkammer und allem, was man sich wünscht. Es gibt sogar Ferienwohnungen, so dass ich auch länger bleiben kann, wenn ich Rocco besuche.

Wir werden versuchen, ihn jede Woche einmal zu besuchen – also einen Tag Emma, den anderen Tag ich. Und dann hoffen wir mal, dass Rocco sich dort gut und schnell einleben kann und es ihm an der guten Seeluft besser gehen wird!!! 🙁 🙁 🙁

Ich werde ihn sehr sehr vermissen..