Reiten am Strand – Sankt Peter Ording

(Achtung, das Video hat ca. 50 MB!)

Am vergangenen Samstag (11.11.) war es soweit – endlich konnte ich unabhängig von anderen Fahrern und Autobesitzern einen Trip mit zwei Pferden starten und das neue Auto einweihen! Da unser Zugfahrzeug leider Anfang des Jahres weg musste, habe ich mir ein Auto gekauft, das 2-Pferde-tauglich ist: einen VW Tiguan. Endlich Allrad, endlich genug Zuglast!

Die Wettervorhersage für Samstag war leider schrecklich, und so packten Tini, die mich mit ihrem Isländer Hördur begleiten wollte, und ich einen doppelten Satz an Klamotten ein. Es waren 30km/h Wind sowie quasi Dauerregen angesagt. Aber wir wollten trotzdem unbedingt unsere Fahrt machen!

Für Rocco war der Trip außerdem wichtig, da er, wie ich ja schon reichlich berichtet habe, wieder Probleme mit der Lunge hat und ich ihm einfach mal die Lunge ordentlich durchpusten wollte – galoppieren und dabei die gute, jodhaltige Nordseeluft inhalieren.

Um 10 Uhr war alles verstaut, die Pferde schnell verladen und los ging es in Richtung Norden, natürlich bei Regen.

Den Tiguan hat das Wetter zum Glück überhaupt nicht beeindruckt. Auf Allradmodus geschaltet zog er die lächerlichen 1700kg hinter sich her, als wäre der Hänger aus Plastik und mit Federn gefüllt.

Leider gab es kurz vor Sankt Peter Ording eine Straßensperrung und die Navi leitete uns ziemlich doof um, so dass wir eine halbe Stunde umherirren mussten, bevor wir endlich am Strand in Böhl ankamen. Zu dieser Jahreszeit ist der Strandparkplatz schon gesperrt, aber wir konnten ohne Probleme auf dem Parkplatz vor den Dünen halten und die Pferde ausladen.
Diese mussten die neue Umgebung natürlich ersteinmal ausgiebig erkunden und ließen sich dann nur ungeduldig satteln. Die Abenteuerlust war geweckt!

Auch Gina, meine Hündin und ständige Begleiterin , war schon ganz aufgeregt.

Endlich konnten wir aufsitzen (Rocco wollte gar nicht stillhalten) und los ging es. Zu Pferd ritten wir die Strand-Straße zum Strandparkplatz entlang.
Dieser stand dank des Wetters ziemlich unter Wasser. Überall standen riesige Pfützen und die Pferde versuchten, so nah wie möglich ans Dünengras zu kommen. Das schien ihnen wohl der sicherste Untergrund weit und breit zu sein. Und so mussten wir uns ordentlich anstrengen, um die Pferde immer wieder in Richtung der Pfützen und weg von den Dünen zu bewegen.

Zu unserer Überraschung kam schon beim Satteln die Sonne heraus, und auch am Strand begleitete sie uns weiterhin. Leider hatten wir nicht daran gedacht, Sonnenbrillen einzupacken, und so blendeten die Pfützen doch ziemlich heftig. Aber wir wollen uns nicht beschweren – mit solch schönem Wetter hätten wir nie gerechnet!

Die nächsten anderthalb Stunden verbrachten wir damit, den doch leider recht kleinen Strandabschnitt abzureiten, die Begrenzungen zu finden und die Pferde meist im flotten Trab und Galopp zu reiten. Insgesamt kamen wir dabei immerhin auf 9 Kilometer Strecke – mehr oder weniger im Kreis. Rocco legte einen super-raumgriffigen Mitteltrab hin, Gina jagte überglücklich durch die Pfützen und bellte die Pferde immer wieder überdreht an – ein Hütehund in seinem Element.

Immer wieder versuchten die Pferde, in Richtung der Dünen zu entwischen, denn der nasse Boden und das stehende Wasser schien sie zu beunruhigen. Wir ritten zu “dem großen Priel”, das Svenja, Jenny und ich vor so vielen Jahren total übersehen haben und somit unser Abenteuer seinen Lauf nahm (siehe Wanderreiter auf Tour 1)..

Wie wir da so entlangritten und von allen Seiten von “Reiten verboten” Schildern umringt waren, fragte ich mich immer mehr, wie wir jemals all diese Schilder haben übersehen können?! Ich kann es mir immer noch nicht erklären… 😉
Bei unserem heutigen Ritt fiel mir dadurch auch erst auf, wie klein dieser bereitbare Strandabschnitt nur ist. Auch ins Wasser konnten wir nicht reiten, in diese Richtung versperrten uns ebenfalls “Reiten verboten” Schilder den Weg. Wirklich schade. Ich hatte das doch alles etwas größer in Erinnerung (naja, wenn man die Schilder übersieht, kein Wunder).

Nach einiger Zeit, wir galoppierten gerade flott mit Rückenwind über den festen Strand, fing es heftig an zu regnen. Lustigerweise ritten wir dabei aber trotzdem noch im Sonnenschein. Und so galoppierten wir einfach weiter. Der Regen kam von hinten, die Sonne von rechts und es entstand zu unserer Linken ein wunderschöner, großer Regenbogen, dessen Ende man sogar auf dem Strand sehen konnte. Gold gab es dort aber leider nicht zu holen 😉

Nach anderthalb Stunden wurde es uns dann aber auch langweilig, und so nahmen wir noch einmal den Strandabschnitt in seiner vollen Länge im Galopp mit, bis hinauf zum Strandparkplatz.

Allerdings machte Hördur dann doch irgendwann schlapp, und so parierte ich auch Rocco durch. Dem ging es weiterhin blendend. Er atmete wie ein Sportpferd und war so lebendig wie lange nicht mehr. Zuletzt habe ich ihn auf der Kur bei Rebekka Heppner so erlebt, und davor zuletzt vor vielen Jahren..

Als wir dann den restlichen Weg zum Hänger im Schritt zurückritten,  drehte Rocco erst so richtig auf. Seitengänge im Trab, für jede Dressuraufgabe bereit. Statt zu steigen, wie ich es eigentlich von ihm wollte, sprang er gleich mit allen Vieren in die Luft – ein Ansatz einer Kapriole (das Pferd springt mit allen Vieren in die Höhe und schlägt mit den Hinterbeinen aus, wonach es natürlich wieder auf allen Vieren landet)? Was war mit diesem Pferd los?
Er war wirklich verrückt und toll drauf. Am liebsten hätte ich alle Dressuraufgaben und alle Zirkuslektionen mit ihm hingelegt, die wir mal so draufhatten. Er war einfach wieder 9 Jahre jünger – ein 5jähriger Rocco, so wie ich ihn damals gekauft hatte. Ein gesunder Rocco.

Bei Sonnenschein ließen wir die Pferde fressen und verluden sie dann wieder, denn die nächsten schwarzen Wolken zogen schon auf. Und so waren wir doch recht früh wieder zu Hause in Hamburg, aber mit gut durchgepusteten und hoffentlich glücklichen Pferden.

Im Nachhinein beschäftigt mich nun doch sehr, wie gut es Rocco dort in der Seeluft wieder ging. Es hat maximal eine Stunde gedauert, und schon war er wie ausgewechselt. Befreit, jung, kraftvoll, voller Energie.

Und obwohl ich ihn zu Hause behandle, die Haltung absolut optimiert habe und immer in Kontakt mit Rebekka stehe, damit sich bloß nicht wieder etwas dauerhaft bei Rocco in der Lunge festsetzt, brauchte es nur ein paar Stunden an der Nordsee, und er war ein ganz anderes Pferd.

Das stimmt einen doch sehr nachdenklich und macht einen traurig. Vielleicht ginge es Rocco dauerhaft an der See besser. Wie sehr belastet es ihn, hier zu sein statt an der See?

Ich muss ihn und seine Entwicklung nach der Kur auf jeden Fall weiterhin scharf im Auge behalten.

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