Malerweg Etappe 4



Die Etappe 4 – von Schmilka zur Neumannmühle – war einfach nur heftig. Wir haben zwar die wunderschönsten Ausblicke genossen und sind durch verträumte Wälder gewandert – aber der Preis dafür waren eher Klettereien statt Wandern und Felsen, Steine, Stufen aller Höhen und Materialien, Baumwurzeln, alte Bachbetten und alles was man sonst nicht unbedingt als Weg betrachten könnte. Das Ganze bei stetiger Steigung oder Gefälle – es ging von 0 auf 560m hoch in einem Schwung, hauptsächlich über Stufen, die aber eben sehr viel Aufmerksamkeit beim Begehen benötigen. Oben auf dem Winterberg – zweithöchster Berg der Sächsischen Schweiz – wartete eigentlich eine Gaststätte auf uns und hoffentlich ein richtig kaltes Alster. Aber leider ist die Gaststätte seit 3 Jahren aus bürokratischen Gründen geschlossen. Also musste der Wasserschlauch herhalten. Der Weg dort hoch war tatsächlich in den auf den Wegweisern angegebenen 1,5 Stunden gemeistert, aber ich war wirklich mit meinen Kräften mehrmals am Ende und musste mich auf einen umgestürzten Baunstamm setzen, um Energie für die nächsten Stufen zu sammeln. Gina ging es ähnlich, jede Pause meinerseits nutzte sie sofort aus und legte sich Schlafen.

Ich habe mir bei diesem Aufstieg doch mehrmals gewünscht, einen Gepäcktransport gebucht zu haben. Das Gewicht des Rucksacks lastete natürlich zusätzlich auf meiner Hüfte, was einen jede Stufe aufwärts extra spüren lässt.

Oben machten wir also Pause ohne Alster und folgten dann dem Wegweiser des Malerwegs weiter. Es ging bergab, und zwar mehr als ich laut Karte gedacht hätte. Danach kam natürlich der nächste Aufstieg – zur Goldstein Aussicht. Diese Aussicht hat wirklich einiges an Kletterei entschädigt!

Danach ging es natürlich wieder weiter bergab-der Weg steinig und nur mit nach unten gerichteter Aufmerksamkeit zu machen. Einmal nicht hingeschaut, kommt man gleich ins stolpern oder knickt mit dem Fuß um. Stolpern bei dem Gefälle wollte ich unbedingt vermeiden. Also musste ich oft anhalten, um auch mal den Blick auf den schönen Wald und die Felsformationen an den Seiten zu richten.

Gina trottete nur noch müde hinter mir her. Es tat mir so leid, dass sie nicht so viel Spaß an der vielen Bewegung hatte wie ich mir vorgestellt hatte. Wir kamen ans Alte Zeugenhaus, wo ich mir einen kleinen Snack zum Mitnehmen kaufte und auch Gina etwas von  der Wurst abbekam. Hoffentlich ein kleiner Motivator!

Als es danach gleich wieder bergauf ging, blieb sie oft stehen und schaute mich fragend an. Fast vorwurfsvoll. Als wollte sie sagen „ehrlich jetzt? Wieder hoch?“

Wir machten viele Pausen und kamen nach einem erneuten Abstieg an der Kirnitzsch an. Dieser idyllische Bach führte so herrlich klares Wasser, dass Gina sofort hineinlief und auch ich meine Schuhe und Socken auszog, um mich ein bisschen abzukühlen. Das Wasser war eiskalt! Aber meine Füße waren danach wie neu!💪

Weiter ging es – jetzt wo wir wieder einmal im Tal waren, natürlich mit dem nächsten Aufstieg.

Dieser war wirklich fies, denn es ging zuerst über Felsen, teilweise auch mal einen halben Meter hohe Abstände, einen sehr schmalen leeren Bachverlauf hoch. Danach kamen mehrere sehr steile Holztreppen ohne Geländer. Die Steigung betrug mehrmals mehr als 16% an diesem Tag.

Oben angekommen, machten wir einen Abstecher zum Großen Pohlshorn auf 379m Höhe. Der Ausblick war toll, aber ein paar Vatertags-Gruppen hatten sich hier schon auf den Felsen breit gemacht  Da Gina sich aber wieder sofort in den Schatten legte, machten wir noch einmal eine halbe Stunde Pause.

Nun folgte wieder ein Abstieg, und wieder blieb Gina oft stehen oder setzte sich sogar hin und schaute mich fragend an. Sitzstreik ging hier aber nicht, wir mussten runter und konnten dort dann in einen Bus steigen, um die letzten paar Kilometer der Wanderung abzukürzen  und Pfoten und Gelenke zu schonen.

Der Abstieg lief über wilde „Wege“ aus total verwurzeltem Boden und natürlich noch einmal ein Bachbett.

Ich merkte, dass mein Körper an seine Grenzen kam.. die Hüfte wurde schwer und der Kreislauf auch. Unten angekommen trafen wir ein paar Wanderer, die mich zuvor schon über Gina ausgefragt hatten, da sie sich eventuell einen Aussie zulegen wollten. Sie wollten gerade mit ihrem Auto in Richtung Neumannmühle fahren und waren so lieb, uns mitzunehmen. Ein Glück, denn der stündlich fahrende Bus fuhr gerade an uns vorbei, die Haltestelle lag 200m weiter die Straße hoch.

Ich ließ mich bei der Buschmühle absetzen, denn hier sollte es eine super leckere frische Forelle aus dem eigenen Bach geben, die ich jetzt unbedingt haben wollte! Und sie war super!

Gina gab sich mit einem langen Nickerchen zufrieden. Dann nahmen wir den nächsten Bus bis Bad Schandau und checkten pünktlich zum Start des Gewitters im Hotel ein.

Ich habe beim letzten Abstieg beschlossen, dass ich den Malerweg nach dem heutigen Tag abbrechen muss. Im Wanderführer ist diese Route als mittlerer Schwierigkeitsgrad gekennzeichnet.  Dem kann ich so nicht zustimmen und auch viele Sachsen hier sagen, dass der Malerweg schwierig ist.

Gina geht es nicht gut damit und auch für mich ist das definitiv keine Spaßwanderung mehr. Also machen wir ab morgen nur noch Rund-Wanderungen, die einfach eingestuft sind und wo wir mit dem Bus an- und abreisen können. Zum Glück sind alle wichtigen Sehenswürdigkeiten auch bei leichteren Routen zu finden, wie ich später beim Wälzen des Wanderführers feststelle.