Eschede – Severloh Tagesritt

Ächz, stöhn, wir haben es geschafft! 30 Kilometer haben unsere supertollen Pferde heute gut weggesteckt.
Am Morgen bei einem tollen Frühstück in dem alten Gutshaus (wow, so viele Zimmer!) haben wir die Gutsverwalterin gefragt,
ob es in der Nähe ein Café oder Restaurant zum hinreiten gäbe. Sie empfahl uns die “Alte Fuhrmanns Schänke”. Google Maps zeigte einen Fußweg von zehn Kilometern dorthin an, also plante ich die Route mit meiner GPS App „Maps 3D“ für einen Tagesritt. Es stellte sich dabei heraus, dass die kürzeste Strecke zu viele Kilometer an der Landstraße entlang führen würde, also nahmen wir dann doch eine Gesamtlänge von ca. 26 Kilometern in Kauf.
Die Pferde hatten nach einer Nacht in ihren Boxen offenbar Bewegungsdrang. Im Laufe des Putzens, Sattelns und Bepackens hat sich Dexter einmal so stark in den Strick gehängt, dass der Haken nachgab und Dexter im Freiheitsdrang zu den Paddocks hinüberspazierte. Kurz darauf passierte mir ähnliches mit Sly, der beschloss, schon einmal vorzulaufen, als ich einen kurzen Moment unachtsam war und ihn frei habe grasen lassen.
Um halb 12 hatten wir uns dann endlich sortiert, die Pferde ordentlich getränkt und grasen lassen und los gings. Im Marschtempo verließen wir das Heidegut Eschede in Richtung Norden.
Nach zwei Kilometern nutzte ich ein paar Brunnenschächte (mit Deckel), um aufzusitzen. Celina wollte lieber noch warten, da Dexter heute voller Energie zu sein schien. Trotz seiner neun Jahre wirkt er wirklich wie ein Jungspund, der gerade erst eingeritten wurde und sich eben auch nicht gern an Anbindern aufhält oder Regeln akzeptiert.
So ritten und liefen wir ein langes Stück in Richtung Osten durch die endlosen und duftenden Wälder der Südheide. Irgendwann packte auch Celina die Lust zum Traben und so saß sie von der nächsten Möglichkeit (davon gibt es leider nicht viele hier) auf. Auch hier zeigte Dexter ein interessantes Verhalten. Gelernt hat er durch Celina, sich auf Fingerzeig an die Aufsteighilfe, den Baumstumpf, Baumstamm oder was auch immer heranzustellen, so dass sie aufsitzen kann. Im Urlaub scheint er dies völlig vergessen zu haben. Er steht dort, mit dem Kopf zu ihr gerichtet und schaut in die Gegend. Allerdings reicht es aus, wenn sie meine Gerte in der Hand hält und damit das Zeichen gibt (Berührung ist hier gar nicht nötig), und schon rückt der Po an die Aufsteighilfe heran und Celina kann aufsteigen.
Manchmal sind Pferde wirklich verrückt 🙂
Wir begegneten einem Traktor, der netterweise den Weg gerade neu planierte und uns somit einen perfekten Reitweg hinterließ. Wir nutzten die Gelegenheit sofort und begannen zu traben. Dexter verhielt sich dabei unerwartet ruhig, dafür musste ich vorne aufpassen, dass Sly mir nicht zu schnell wurde. Seit er seine vier Hufeisen hat, ist er im Gelände flott unterwegs und würde am liebsten nur noch schnell traben und flott durch die Wälder galoppieren. Aber er ließ sich gut regulieren und so kamen wir ohne Probleme voran.
Nachdem wir die L281 überquert hatten, wurden die Wege leider nicht mehr so schön. Viel Schotter erwartete uns hier. Leider gab es laut Karte keinen parallel verlaufenden Weg, den wir hätten nehmen können. Und so führten und ritten wir weiter, so viel wie möglich auf dem Grünstreifen, der aber von Wildschweinen sehr zerwühlt war.
Erst nach einigen Kilometern konnten wir abbiegen und einen paralleln Weg wählen. Inzwischen waren die Pferde ziemlich müde von dem langen Schritt auf dem steinigen Boden. Auch wurde es Zeit, Dexter seine neuen Hufschuhe mal auszuziehen, da er diese heute erst zum dritten Mal trug und noch in der Eingewöhnungsphase war.
Zum Glück wurde der Weg nun erst einmal sandiger, aber auch dann kam wieder Schotter. Also gingen wir weiter im Schritttempo. Sly blieb nun ständig stehen und auch Dexter hielt dann sofort an. Die Jungs brauchten eine Pause. Unser Ziel, die Alte Fuhrmann-Schänke, war nicht mehr weit entfernt und so saß ich nach Slys doch deutlichen Ansagen ab und führte ihn. Das ist eine Eigenschaft an Sly, die mir wahnsinnig gut gefällt. Er kommuniziert so gut mit seinem Menschen, dass man sofort merkt, wenn etwas nicht stimmt, etwas unangenehm ist, das Pad unangenehm sitzt, der Sattelgurt stört, der Reiter stört, er pinkeln muss, müde wird oder anderes. Und er versteht sofort, wenn man ihm nur einmal deutlich sagt, dass er gerade eine Grenze überschreitet. Selbst von meinem Patenkind Leni mit ihren 10 Jahren lässt er sich die Grenzen setzen, ohne noch einmal nachzufragen. Sly ist einfach toll <3
Der Weg wurde nun tief sandig und führte bergab in Richtung einer kleinen Straße, an der die Alte Fuhrmanns-Schänke liegt. Endlich dort angekommen, parkten wir die Pferde am Anbinder und ich besorgte erst einmal Wasser für die Beiden. Viel Durst hatten sie nicht, wir dafür aber umso mehr.
Also bestellten wir uns Eis, Latte Macchiato und Alsterwasser und verbrachten so die nächste Stunde in der Sonne sitzend. Sly begann recht schnell zu dösen, Dexter brauchte lange, um sich zu beruhigen. Doch dann stand auch er ruhig da und döste.
Irgendwann wachten die Pferde wieder auf und scharrten buchstäblich mit den Hufen: sie wollten sich wieder bewegen. Also ging es weiter. Diesmal ein kurzes Stück in Richtung Norden, dann bogen wir rechts in den Wald ab und folgten dem Weg zu Fuß. Wir überquerten nach einer Weile wieder die L281 und ritten nun in nord-östlicher Richtung weiter. Die Wege südlich der L281 schienen alle steiniger zu sein als nördlich der L281. Sobald wir die Landstraße überquert hatten, hatten die Pferde wieder sandigen Boden unter den Hufen. Wir führten sie noch eine Weile weiter, bis wir irgendwann aufsaßen und ein längeres Stück trabten. Die Muskeln brauchten dringend eine Abwechslung und beide Pferde waren hochmotiviert. Vor der Pause hatten wir befürchtet, den Rückweg im Schneckentempo zurückzulegen und die Pferde die gesamte Strecke zu führen, doch da überraschten uns nun beide. Sie marschierten beide im Schritt wie im Trab wie die Zinnsoldaten und zeigten keinerlei Müdigkeit mehr.
Wir trabten noch ein weiteres Mal eine längere Strecke und ich merkte, dass Sly am liebsten angaloppiert wäre. Celina und Dexter waren aber ja noch nicht ganz so viel reiterlich unterwegs, deshalb ging es lieber im Trab weiter.
Fünf Kilometer vor unserem Ziel saßen wir endgültig ab (Celina gönnte sich und Dexter immer wieder Pausen zu Fuß) und führten die Pferde nach Hause. Ich lockerte den Gurt um ein Loch, damit Sly es etwas angenehmer hatte auf dem Rückweg. Irgendwann blieb Sly stehen und drehte sich ständig um. Ich dachte, er müsse sich kratzen, doch dann sah ich, was er mir zeigen wollte: der Sattel war einfach komplett an seiner linken Seite heruntergerutscht. Wie war das denn passiert? Es gab keinerlei Gewicht mehr in den vorderen Packtaschen, das den Sattel hätte so stark herunterziehen können.
Meine Güte, hat dieses Pferd einen rutschigen Rücken 😀
Also blieben wir stehen und ich sattelte Sly kurzerhand neu, was er ziemlich doof fand. Das verschwitzte Fell störte ihn und er wäre den Sattel wohl gerne los geworden, um sich im Sand zu wälzen.
Damit musste er leider noch fünf weitere Kilometer warten.
Im Sonnenuntergang liefen wir die letzten Kilometer zum Heidegut zurück. Die Pferde und auch wir waren nun deutlich müde und alle wollten nur noch etwas essen und sich ausruhen.
Wir sind wahnsinnig stolz, dass beide Pferde diesen anstrengenden Tag so locker weggesteckt haben. Dass Dexter und Sly nach der Pause wieder so flott voran gelaufen sind und erst nach zehn Kilometern langsamer wurden, hätte ich nie für möglich gehalten. Wahrscheinlich bin ich hier noch zu sehr von den letzten Wanderritten mit Rocco geprägt, wo er – gesundheitsbedingt – einfach keine Energie mehr hatte um noch flott zu laufen.
Zum Glück haben wir wenigstens irgendwann feststellen können, was Rocco fehlt und er genießt weiterhin seine Frührente an der Nordsee und flirtet dort mit seiner neuen Freundin.