Achtung bei der Trockenheit – Husten vorprogrammiert

Aus akutem Anlass was die Hitze und Trockenheit angeht, schreibe ich  heute mal wieder in Sachen #COB / #COPD beziehungsweise #Lungenerkrankungen. Es häufen sich bei mir die Meldungen, dass in verschiedenen Ställen, egal welcher Haltung, immer mehr Pferde husten. Viele husten nicht nur ein paar Mal, sondern dauerhaft und auch schon gequält. Und auch viele Meldungen beinhalten, dass manche Reiter gar nichts dagegen tun, außer das Pferd weiter zu reiten. Ich möchte nicht auf den Pferdebesitzern herumhacken, sondern euch ein paar Tipps geben, wie ihr euren Pferden durch diesen für sie sehr belastenden Sommer helfen könnt!

Staub, Staub, Staub

Alles staubt nun schon wieder seit Wochen. Die Reitplätze, wenn nicht ordentlich gewässert, stauben so sehr, dass wir Reiter hinterher beim Naseputzen ein schwarzes Taschentuch haben. Von den Reithallen ganz zu schweigen. Denkt daran, dass eure Pferde ihre Nasen, wenn ihr sie vorwärts-abwärts reitet, noch viel tiefer im Staub haben und dabei auch noch auf Leistung laufen – also die Nüstern schön weit blähen, um bei der Wärme und der Arbeit genug Luft zu bekommen. Und damit eben auch eine Menge Staub tief einatmen.


Auf diesem Video war ich vor zwei Wochen mit meinem Patenkind auf einem Wanderritt im Wendland. Man sieht hier ganz gut, wie es selbst nur beim Schrittreiten den Staub aufwirbelt und Leni die ganze Zeit in der Staubwolke sitzt. Von der Pferdenase ganz zu schweigen..

Was passiert in der Pferdelunge durch den Staub?

Interessanterweise war ich gerade gestern auf einem Festival, wo es extrem gestaubt hat. Hier konnte ich mal am eigenen Körper erleben, wie es für die Pferde sein muss.
Ich bin weder Arzt noch sonst in dieser Richtung ausgebildet, habe aber wirklich eine Menge Erfahrung mit dem Thema gesammelt und erkläre es somit mit eigenen Worten: Die Flimmerhärchen sind eigentlich dazu da, Keime, Staub und anderes über einen feuchten Schutzfilm in den Rachen zu transportieren, damit diese schädigenden Dinge heruntergeschluckt werden, statt in die Lunge zu gelangen. Zwischen den Härchen sind Schleimdrüsen, die den Film feucht halten. Wird der Film zu trocken, wird Schleim nachproduziert. Dies passiert auch bei einem Infekt – wie wir auch von uns kennen, wenn wir erkältet sind. Die Schleimhäute fühlen sich furchtbar trocken an, aber man ist in den Atemwegen völlig verschleimt. Die Drüsen produzieren also bei einem Infekt, durch den die Schleimhäute austrocknen, ständig mehr und mehr Schleim, der sich dann in den Nebenhöhlen und der Lunge festsetzt.
Bei der Belastung durch zu viel Staub ist es das gleiche: auf lange Zeit viel Staub trocknet die Schleimhäute des Pferdes (und auch des Menschen, wie bei mir gestern auf dem Festival) aus. Also wird mehr Schleim produziert. Wenn das Pferd aber regelmäßig zu viel Staub ausgesetzt ist und die Drüsen ständig überprozieren müssen, sammelt sich immer mehr Schleim in der Lunge. Der Staub, den das Pferd dabei einatmet und der nicht komplett von den Flimmerhärchen abtransportiert werden kann, macht aus dem noch flüssigen Schleim festen Kleister. Diesen sehr zähen Schleim hört der Tierarzt beim Abhorchen des Pferdes nicht mehr. Auch muss ein Pferd oft nicht husten, weil der Schleim eben so fest sitzt, dass er sich nicht bewegt und somit keinen Reiz auslöst.
Manche Pferde husten auch nur einmal, beim ersten Trab oder Galopp, weil sich ganz kurz etwas bewegt hat. Danach aber nicht mehr. Der Schleim ist einfach zu fest.
Viele Tierärzte geben dann dem Pferd leider Ventiplus oder einen anderen Lungen/Bronchienerweiterer. Damit das Pferd wieder besser zu Atem kommt. Wenn man sich nun aber vorstellt, dass die Atemwege geweitet werden und die Staubbelastung bleibt, treiben wir den Staub NOCH tiefer und in noch größeren Mengen in die Lunge hinein. Der Schleim wird noch zäher. Durch den dauerhaften Schleim in der Lunge und den Dreck/Staub entstehen Entzündungen in der Lunge. Der Körper schaltet also in den “Infekt”-Modus und die Schleimdrüsen arbeiten auf Hochtouren, denn das Pferd scheint ja krank zu sein. Und schon stecken wir in der abwärts laufenden Spirale. Die Lunge wird immer voller. Man schont das Pferd, weil es entweder hustet oder weil es langsam, über eine längere Zeit, an Leistung verliert und schneller kurzatmig wird. Bei uns dauerte dies Jahre. Durch das schonen muss die Lunge nicht mehr richtig arbeiten und der Schleim verflüssigt sich gar nicht mehr….
An diesem Punkt standen wir dann im Januar 2017, Roccos Lunge war so stark aufgebläht durch den Schleim und immer mehr Luft, die er sich reingezogen hat aber nicht mehr vollständig ausatmen konnte.. er versuchte, sie durch krampfhaftes nachdrücken (Bauchatmung -> Dampfrinne) herauszupressen, aber es ging nicht. Er schaffte im Januar nur noch 5 Minuten Schritt, dann war die Atmung schon bei 60 Atemzügen pro Minute. Das ist vergleichbar mit der Atmung eines gesunden Pferdes nach längerer Dressurarbeit mit viel Trab und Galopp…

Im Gelände

Beim Ausreiten ist es fast noch schlimmer. Die Reitwege, die wir zumindest hier in Hamburg und Umgebung haben, stauben wie in der Wüste. Auch im Wendland auf unserem letzten Wanderritt (siehe Video oben) war die Luft braun vom Staub. Wenn einer vorweg reitet, atmen die hinteren Pferde (und natürlich auch Reiter und Hunde), den ganzen Staub ein. Besonders gut macht sich das beim Galoppieren, wenn die Nüstern schön weit geöffnet sind..

Auf der Weide, im Offenstall

Stehen die Pferde zum Beispiel im Offenstall oder auf der Weide neben dem Reitplatz, bekommen sie den ganzen Staub der Reiter ab. Stehen sie im Offenstall mit Sandplatz, wälzen sie sich im Staub und atmen ihn so richtig tief am Boden ein. Ist die Weide stark heruntergefressen, staubt der Boden extrem. Und dazu kommt bei vielen noch das Heu des letzten Jahres, das zugefüttert wird, weil die Weiden so trocken sind und nicht genug nachwachsen. Durch den absolut miesen Sommer letztes Jahr ist das Heu oft sehr, sehr staubig!

Ihr seht – die Pferde, so viel sie auch draußen stehen mögen, sind diesen Sommer einer riesigen Menge Staub ausgesetzt. Ich habe inzwischen von vielen Freunden und Bekannten gehört, dass dort die Pferde reihenweise   husten. Meine Bitte an euch: Macht euch ganz bewusst, was da gerade abgeht. Helft euren Pferden vorzeitig, mit dieser krassen Belastung klar zu kommen, damit eure Pferde nachher nicht so krank wie meiner werden! Wenn ihr nicht aufpasst und die Staublungen eurer Pferde nicht pflegt, können sie sehr schnell eine chronische Bronchitis (COB) entwickeln – oder eine akute Lungenentzündung. Auch aus einem nicht richtig ausgeheilten Husten/Bronchitis entsteht am Ende eine chronische Erkrankung, wie es leider auch bei Rocco war. Und da der Prozess so schleichend ist, bekommt man es meistens erst viel zu spät mit.

Was kann man tun?

Inhalieren – zur Not mit einfachen Hausmitteln

Natürlich hat nicht jeder einen Inhalator zur Hand. Die beste Methode wäre, wenn ihr einen Inhalator habt oder im Stall ausleihen könnt, und euer Pferd während dieser Trockenheit regelmäßig mit 0.9%igem NaCl inhaliert. Besser mit einem billigen, einfachen Inhalator, als gar nicht.
Es gibt auch bei Ebay Kleinanzeigen oder in Facebook-Gruppen (“Atemwegserkrankte Pferde” oder “Allergie, COB, Dämpfigkeit,.. mein Pferd bekommt keine Luft!“) immer wieder Leute, die ihren Inhalator nicht mehr brauchen und für längere Zeit verleihen.
Zur Not tut es bestimmt auch ein Eimer mit heißem Wasser zu den Hufen des Pferdes (NICHT trinken lassen!!) während man putzt, so dass das Pferd zumindest die Wasserdämpfe einatmet. Hier geht natürlich auch Pfefferminztee, Fencheltee, Salbeitee, Thymian im heißen Wasser. Achtung bei Allergien.
Oder hängt dem Pferd ein feuchtes Tuch über die Nüstern beim Putzen – vielleicht hilft sogar das schon ein wenig, um die Lunge zumindest im ganz vorderen Bereich etwas anzufeuchten.
Generell kann man sagen: je besser der Inhalator, desto tiefer dringt er mit der Feuchtigkeit in die Lunge ein. Wenn euer Pferd schon längere Zeit hustet, solltet ihr euch aber einen guten Inhalator zulegen, zum Beispiel den Air One, der innerhalb von ca 15 Minuten die ganze Lunge im vollen Volumen befeuchten kann.

COB Inhalieren Akku

Salzkammer

Wenn ihr eine Salzkammer, Solekammer oder eine Mobile Salzkammer (mit Pferdehänger z.B.) in der Nähe habt, geht dort mit eurem Pferd regelmäßig rein. Besser einmal pro Woche als keinmal. Ich würde natürlich dazu raten, eher alle 2 Tage bzw. jedes Mal nach dem Reiten etwas gegen die Staublunge zu unternehmen, beziehungsweise hier natürlich auf den Rat der Betreiber der Salzkammer zu hören. Ich kann folgende mobile Salzkammer empfehlen, da ich Anja persönlich kenne und weiß, dass sie sich mit den Dosierungen gut auskennt (https://www.facebook.com/PferdeatmungAnjaBannat/).

Homöopatischen Schleimlöser geben

Es gibt einen Schleimlöser namens B-Vetsan, der sehr gute Ergebnisse erzielt und homöopatisch ist. Somit kann man diesen ruhig auch mal profilaktisch geben und sieht so hoffentlich recht bald, ob das Pferd schon Schleim in der Lunge angesammelt hat. B-Vetsan gibt es z.B. bei Amazon zu kaufen und ist nicht teuer. Füttert eine Dose komplett durch, das Pferd bekommt 2 Messlöffel pro Tag ins Futter. Dies kann natürlich mit Kräutern kombiniert werden.

Kräuter wirken Wunder

Füttert eurem Pferd Thymian (löst Schleim, bekommt man im Internet für ein paar Euro, auch bei Loesdau), Fenchelsaat, Süßholzwurzel oder noch besser: lasst es mit heißem Wasser wie einen Tee ziehen und gebt es dann – vermischt mit kaltem Wasser, damit sich keiner die Zunge verbrennt – ins Futter.
Die zusätzlichen Dämpfe werden dann beim Fressen inhaliert.
Achtet darauf, ob euer Pferd allergisch auf Kräuter reagiert. Ich habe gehört, dass in einem Stall aktuell Süßholzwurzel gefüttert wird und dort viele Pferde mit Durchfall reagiert haben.

Heu nass machen

Das Heu des letzten Jahres ist wie gesagt oft staubig. Wässert es, um eurem Pferd auch noch diese Staubbelastung zu nehmen. Und wenn ihr es nur kurz in Wasser tunkt und dem Pferd dann im Heunetz aufhängt – besser als staubig.

Vom Boden füttern

Damit der Schleim, wenn denn welcher vorhanden ist, ablaufen kann, muss das Pferd den Kopf senken. Deshalb ist es immer sehr hilfreich, nach der Arbeit das Pferd vom Boden (nicht-staubig 😉 zu füttern. Direkt nach dem Reiten etwas grasen lassen ist natürlich auch praktisch.

Pollennetz zum Reiten, Fliegenmaske mit Pollennetz

Ich bin irgendwann auf die Idee gekommen, mir so ein Pollennetz zu kaufen und es an meiner Trense zu befestigen. Dazu braucht man eine Trense mit Nasenriemen, es gibt aber auch ganze Fliegenmasken inklusive Pollennetz.

Ich kann es noch nicht belegen, aber die Vermutung liegt nahe, dass das Pollennetz auch den Staub mehr abhält. Zudem könnte man das Pollennetz vorher in Wasser halten, so dass das Pferd auch noch feuchte Luft einatmen kann. Einfach mal ausprobieren! Ein Pollennetz kostet 5-20 EUR, ist also keine große Investition.

Außerdem kann eine Fliegenmaske inkl. Pollennetz auf der Weide getragen werden, um auch hier etwas mehr Schutz zu geben.

Fazit

Mir machen die vielen Meldungen über hustende Pferde wirklich große Sorge, da ich mit meinem Pferd wirklich ständig am Thema COB kämpfe und immer wieder neue Tiefschläge einstecken muss. Ich würde so gern mit diesem Post verhindern, dass so viele weitere Pferde chronisch Lungenkrank werden. Die Krankheit schleicht sich ein, man merkt es oft gar nicht sondern erst, wenn es viel zu spät ist. Den zähen Schleim dann wirklich vollständig wieder herauszubekommen, ist mit viel Geduld, Arbeit, Geld, Zeit und natürlich auch einer extremen Haltungsoptimierung und Einschränkungen zu schaffen. Einfach nur Schleimlöser zu geben reicht nicht, auch wenn der Tierarzt dann häufig nichts mehr beim abhorchen des Pferdes feststellt. Man hört den Schleim nicht, wenn er zäh genug ist. War bei meinem Pferd leider auch so.

Ich könnte noch seitenlang über das Thema referieren. Bei Fragen meldet euch gerne über jule@wanderreiter-auf-tour.de oder per PN bei Facebook an Wanderreiter auf Tour.

Ich möchte mit meinem Artikel keinem zu nahe treten, sondern nur das Bewusstsein für die Gefahr, die hier für viele Pferde in jeglicher Haltung entsteht, erweitern. Und hoffe, damit einer Menge Pferde und ihren Besitzern die COB zu ersparen. Aus eigener jahrelanger leidvoller Erfahrung. Ich bringe mein Pferd morgen wieder für einige Zeit an die Nordsee und hoffe, dass er dort die anrollende Hitzewelle ohne eine zum Bersten aufgeblähte Lunge und ohne Atemnot überstehen kann.

 

Ich bin weder Tierarzt noch Heilpraktiker, habe aber in den letzten Jahren sehr viel Erfahrung mit der Erkrankung meines Pferdes gesammelt und sehr, sehr viel gelernt, als Rocco bei Rebekka Heppner zur Kur war. Was ich hier schreibe und empfehle, geschieht aus bestem Wissen und Gewissen und ist als Tipps anzusehen, nicht als Diagnose oder Behandlung.